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Einleitung: Part I
Amiga 500: Part II | Part III | Part IV | Part V | Part VI
Part VII | Part VIII | Part IX | Part X | Part XI
Part XII | Part XIII | Part XIV | Part XV
Commodore 64: Part XVI | Part XVII
Amiga 1200: Part XVIII
[ Inhaltsübersicht aller Parts einblenden ]

Kolumne 63: (Zu) lang ist's her - Part XVIII
Mit dem Amiga 1200 hatte ich sehr viele schöne Zeiten. In der Hoffnung, es würde mit diesem tollen Rechner weitergehen, steckte ich in den – trotz der vielen Höhen und Tiefen in den verschiedensten Entwicklungen dieser Tage – so viel Geld in Erweiterungen und dergleichen, dass es für einen Schulpflichtigen wie mich eigentlich alles sprengte: Mehr RAM, ein sau-teuerer Prozessor, einen Flickerfixer, einen modernen Monitor, eine große Festplatte und natürlich nicht zuletzt noch der komplette Umzug in das Infinity-Tower-Gehäuse ließen den Rechner in völlig neuem Licht erstrahlen... und beinahe den Wert eines High-End-PCs erreichen. Ich war eben ein Fan durch und durch. Nichtsdestotrotz endete die einst große Ära des Amigas letztlich mit diesem Rechner. Heute lebt er für mich nur noch in der virtuellen Welt des Emulators WinUAE weiter. Wieso, weshalb und warum lest Ihr in diesem dritten Kapitel.
Kapitel III : Amiga 1200
Erschienen: 1992
Verkaufte Einheiten: ca. 100.000 in Deutschland (weltweite Zahlen sind unbekannt)
Architektur: 32 Bit / Motorola CPU 68EC020 mit 14 MHz
Arbeitsspeicher: 2 MByte Chip-RAM (*)
Grafische Darstellung: 320x256 Bildpunkte (Standard-Auflösung) mit 256 Farben gleichzeitig aus einer Gesamtpalette von 16,7 Millionen
Mein Amiga 1200: Arbeitsspeicher um zusätzliche 32 MB Fast-RAM (*) erweitert / Motorola 68060 Prozessor mit 50 MHz / 4,3 GByte Festplatte / Einbau Flickerfixer, um PC-Monitore verwenden zu können & Vollständiger Umbau in Infinity-Tower-Gehäuse

(*) Chip-RAM wird als Video- und Arbeitsspeicher verwendet. Der Fast-RAM indes erweitert ausschließlich den Arbeitsspeicher (kann also nicht als Grafikspeicher verwendet werden) und ist deutlich schneller als der Chip-RAM. Fast-RAM wird daher bevorzugt vom System verwendet und beschleunigt den Amiga durch die höhere Verarbeitungsgeschwindigkeit spürbar
Der Amiga 1200: Commodores Antwort auf IBMs DOS-VGA-Maschinen, die so langsam aber sicher den Markt überrollten. Ich bin wirklich ein richtig großer Fan des A1200 gewesen – dies nur vorab – doch muss ich hier direkt loswerden, dass beim Kauf bereits Hopfen und Malz verloren war. Heute nehme ich den Rechner, ganz genau wie das Amiga CD³² und den ganz großen Bruder Amiga 4000, als das letzte Aufbäumen des ehemaligen Hardware-Riesen wahr. Aber wir schrieben das Jahr 1995 und meine Leidenschaft für den Amiga besaß erst wenige Schrammen. Mehr noch: Tief in mir gab‘s noch genügend Anlaufstellen für allerlei Durchhalteprarolen. Sprüche wie „Amiga is coming back – back for the Future“ oder „Amiga Rulez“ (natürlich mit coolem „Z“ geschrieben) hielten die Meinung für Commodores Maschinen oben. Marketingtechnisch eigentlich recht geschickt, denn den ursprünglichen Mutterkonzern gab es da schon nicht mehr. 1994 schloss der einstige Gigant seine Pforten. Wirklich aufgeben, wollte jedoch niemand. Weshalb sich schnell verschiedene Käufer für die Konkurs-Masse interessierten, wobei der PC-Hersteller ESCOM letztlich den Zuschlag erhielt. An das immense Aufatmen der ganzen Community kann ich mich noch sehr gut erinnern. Man muss hier einfach verstehen, dass zu diesem Zeitpunkt noch so viel Herzblut in dem Rechner steckte. Dieser Kauf befeuerte die Hoffnung noch einmal kräftig, es würde nicht nur einfach weitergehen, sondern schon bald mit neuen Geräten und in neuer Stärke. Doch zuerst musste neues Geld in die leeren Kassen, weshalb ESCOM den Amiga 1200 sowie den Amiga 4000 neu produzieren ließ. Kurzzeitig gab das wirklich einen kurzen Boost und ich kaufte mir 1995 den so genannten „Amiga 1200 Magic“, dem – wie bei einem handelsüblichen PC – allerhand Büro- und Bildbearbeitungssoftware beilag. Viele wissen übrigens gar nicht, dass der Wert dieser Software den des Computers deutlich übertrumpfte. Wie dem auch sei: Kurzzeitig konnte man tatsächlich einen kleinen Hype spüren und man sah in einigen Großmärkten in regelmäßigen Abständen besagten „Amiga 1200 Magic“ an den Kassen. Es schien wirklich weiterzugehen und ich habe mich richtig gefreut, dass es so war. Die Amiga-Zeitschriften schalteten langsam aber sicher wieder in den Normalbetrieb und der Zug rollte. … Aber nicht lang. Ich wurde ehrlich gesagt schon stutzig, als die durch ESCOM gegründete Firma Amiga Technologies den „Amiga Walker“ vorstellte. Denn nach dem Motto „Alter Wein in neuen Schläuchen“ bot dieses Gerät mit einem 68030-Prozessor, dem Standard AGA-Chipset sowie allen bereits bekannten Komponenten absolut keine Innovationen: Es war im Kern ein alter Amiga, dieses Mal eben mit diskussionsbehaftetem Design. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob das wirklich ein erstgemeintes Modell gewesen sein soll. Die Ähnlichkeit mit einem handelsüblichen Staubsauger war nämlich nicht von der Hand zu weisen. Die Kritik seitens der Gemeinde wartete nicht lange. Tja, und das sollte es leider schon gewesen sein. ESCOMs Beitrag bestand in der Neuauflage alter Amiga-Modelle und dem Konzept des Walkers. Nur ein Jahr später – also 1996 – geriet der PC-Hersteller ebenfalls in Zahlungsnot und meldete Konkurs an. Das Bangen begann von vorn.

1997 wechselten dann die Rechte den Besitzer. Der PC-Direktversender Gateway 2000 machte das Rennen. Und die hatten erneut viele Pläne und vor allem durch die von phase5 angestrebte Idee so genannter PowerPC-Amigas kam tatsächlich neuer Wind in die Sache. Diese „RISC-CPUs“ verbaute man zu diesem Zeitpunkt noch in den Maschinen von Apple. Grundsätzlich kann man sagen, dass die PowerPC-Technologie – gegenüber den Pentium-Prozessor der PC-Konkurrenz – mehr Leistung bei weniger MHz ermöglichte. Technisch sicherlich beeindruckend, in meinen Augen marketingtechnisch nachteilig. Immerhin schauen die Kunden nur auf nackte Zahlen und ein Pentium mit 500 MHz klingt für den Laien eben schneller als ein Power-PC-Prozessor mit „nur“ 240 MHz. Ich kann mich da noch an Gespräche mit Bekannten erinnern, denen ich das wieder und wieder erklärte und die nicht verstehen konnten oder wollten. Im Grunde sollte das allerdings nicht das hauptsächliche Problem sein. Denn was die Pläne erst einmal nicht einschlossen: Es fehlte die Abwärtskompatibilität zu den bisherigen Modellen. Der Amiga-PowerPC galt ein eigenständiges System ohne jedwede Möglichkeit, alte Software zu nutzen. Gerade durch die vielen Spiele ein riesiges Problem. Alle wussten: Es konnte es nur weitergehen, wenn ein neuer Amiga abwärtskompatibel zu den alten Maschinen sein würde. Phase5 dachte also um und verfolgte die Strategie, auf die CPU-Platine des PowerPC-Prozessors einen Co-Prozessor draufzupacken, der bei den alten Amigas als Haupt-Kern zum Einsatz kam. Also ein 68030-, 68040- oder ein 68060-Prozessor. Die Anwendungen und Spiele könnten sich dann selbstständig schlicht die Architektur greifen, die sie benötigen. Grundsätzlich eine clevere Idee, wenn da nicht der Preis gewesen wäre. Eine PowerPC-Karte 603e/200 MHz mit einem 68040-Co-Prozessor/25 MHz kostete – soweit ich mich noch recht erinnere – knapp 700,- DM. Die stärkere Variante gar um die 850 Mark, welche einen 604e/200 MHz und eine 68060-CPU mit 50 Mhz bot. Irrsinn! Der Plan nahm zwar tatsächlich reale Züge an und beide Modelle gingen sogar in Produktion, der hohe Preis brach dem Unterfangen letztlich leider das Genick. Obendrein schien es erneut alles viel zu spät zu sein. Phase5 tat es ESCOM gleich und meldete ebenfalls gegen Ende des alten Jahrtausends Konkurs an.
Und irgendwann hier – also im Jahre 1999 – bin ich dann ebenfalls ausgestiegen und habe mich nur noch rudimentär mit den Weiterentwicklungen beschäftigt. Ein AmigaOne ist mir da noch im Gedächtnis, der eigentlich nur ein PC mit Amiga-Emulation sein sollte. Mehr als ein Schulterzucken und Kopfschütteln gab's hierfür von meiner Seite nicht mehr. Denn wie eine Zukunft für den einst tollen Rechner von Commodore wirkte keines der Konzepte und Pläne. Nun ja, zumindest machte man sich Gedanken, wie es weitergehen könnte. Bloß einmal mehr alles zu spät. Der Zug war längst weg.

Somit bin ich seit dem Millenium PC-Nutzer, schrieb aber den Amiga 1200 an meiner Seite nicht ab. Ganz im Gegenteil: Er lief noch Jahre weiter und teilte sich meinen Schreibtisch mit dem einstigen Konkurrenten. Sogar als ich mein Studium 2002 begann, nahm ich ihn mit und baute ihn in meiner Studentenbude ebenfalls auf. Tagtäglich liefen beide Maschinen, wobei ich jedoch bald merkte, mich immer weniger mit dem Amiga zu beschäftigten. So waren Tage dabei, in denen er nebenher ungenutzt lief. Die Entscheidung, ihn ausgeschaltet zu lassen, stellte sich nicht. Die Hardware fasste den Entschluss ohne mein Zutun. Mein Monitor, der an meinem Amiga hing, gab eines Tages den Geist auf. Anfangs hatte ich noch große Pläne, einen neuen zu besorgen oder den alten zu reparieren, doch man kennt es ja: Da ich den Amiga in der Tat kaum noch brauchte, schob ich das Problem lange vor mir her. Der hervorragende Emulator WinUAE hatte längst die physikalischen Komponenten hinterrrücks abgelöst. Zudem saß zu meinen Studientagen das Geld bei mir nicht unbedingt locker. Der Amiga lief seitdem – und das muss ich ehrlich zugeben – nie wieder und er tristet ein Dasein im Keller meines Elternhauses. Zwar gut geschützt, allerdings kümmerte ich mich nie um die auslaufgefährdeten Transistoren, weshalb der Amiga wahrscheinlich im „Schlaf“ seinen Geist für immer aufgegeben haben wird. Aus irgend einem Grund habe ich es nie gewagt nachzuschauen...

Aber ich schreibe hier vom Ende meiner Amiga-Ära, dabei hat dieses Kapitel gerade erst begonnen. Ich möchte nämlich zeigen, warum mir der Amiga 1200 trotz des vielen Hoffen und Bangens, noch richtig viel Spaß machte. Außerdem bestückte ich ihn im Jahre 1995 sogar für unfassbar viel Geld mit neuer Peripherie. Die Krönung dessen gestaltete sich in der Form einer 68060-CPU mit 50 MHz – zu dieser Zeit das absolute Flaggschiff. Das Ding hat knapp 900,- DM gekostet und erweiterte/ersetzte den Standard-68020-Prozessor sowie meinen Speicher um unendlich groß scheinende 32 MB-Fast-RAM. Macht das jemand, der nicht an den Amiga glaubt? Ich quälte meine Eltern ganz schön mit dem Wunsch für diese Turbokarte (so nannte man die Platine, welche eine CPU und neuen Speicher besaß) – monatelang. Einmal sagte mein Vater zu, dann wieder nicht. Der Preis sprengte einfach jede Skala! Immerhin darf man nicht vergessen, dass ich vier Geschwister habe, mit eigenen Wünschen. Doch Weihnachten 1996 lag die Turbokarte dann tatsächlich unter dem Weihnachtsbaum. Was habe ich mich gefreut! Irgendwas in mir drin machte jedoch in den darauffolgenden Wochen auf sich aufmerksam: das schlechte Gewissen. Die neue CPU sorgte bei mir für ein Wechselbad der Gefühle: Einmal durchzog mich Stolz und Freude, dann wieder ging es mir nicht so gut, weil eine Stimme in mir das Gefühl hatte, es sei nicht richtig gewesen, ein derart teures Geschenk von seinen Eltern zu erbetteln. Meine Familie nagte glücklicherweise niemals „am Hungertuch“ und unsere Eltern boten uns ein wirklich reichhaltiges Leben, in welchem einfach nichts fehlte. Dafür werde ich mein Leben lang dankbar sein. Dennoch beschäftigte mich diese Turbokarte noch eine ganze, ganze Weile. Es gab Tage, da wollte ich das Ding am Liebsten verkaufen und meinen Eltern das Geld zurückgeben. Nichtsdestotrotz werkelte sie schließlich über acht Jahre auf dem Motherboard meines Amiga 1200, den ich fortan stolz als Amiga „1260“ bezeichnete. Ein guter Freund von mir besaß eine 68040-CPU und als Programmierfan stetig daran interessiert, mit kleinen selbst erstellten Tools, immer und immer wieder zu vergleichen, wieviel schneller der 68060 gegenüber dem 68040 denn nun wirklich war. Kräftig mag der 68060 ja gewesen sein, handlich allerdings nicht. Denn ein durchschnittlicher Benutzer hätte das gesamte Leistungspotential wohl gar nicht richtig genutzt. Ohne Nachbesserung sprang nämlich der FPU-Co-Prozessor (Floating Point Unit) im Normalbetrieb gar nicht an und der teure Prozessor ist ohne kaum schneller als ein 68040. Erst das Programm „CyberPatcher“, welches man immer in der Startup-Sequence berücksichtigen muss, entfesselte letztlich die ganze Performance. Der Prozessor brauchte eben seine Sonderbehandlung, da diese CPU im Standard vom Amiga-Betriebssystem keine Unterstützung fand. Erst durch die manuelle Installation der so genannten „68060.library“ fuhr der Amiga mit diesem Flaggschiff überhaupt erst hoch, ohne lief nichts. Hatte man die Tüftelei dann aber hinter sich, machte der Prozessor erst recht bei den vielen Grafik-Scene-Demos mächtig Spaß. Aber alles zu seiner Zeit.
Die Ära der AGA-Amigas
Der Vergleich AGA mit 256 Farben (also Amiga 1200/4000 und AmigaCD³²) gegen den ECS-Grafikstandard der vorherigen Amigas am Beispiel von 'Wing Commander'. Der Unterschied ist hier besonders deutlich, da 'Origin' in der ECS-Fassung sogar nur mit 16 Farben arbeitete - obwohl selbst hier eigentlich 32 möglich gewesen wären

Als das Zeitalter der AGA-Amigas mit dem Amiga 1200 begann, hieß das vor allem eines: mehr Farben. Das mag unscheinbar klingen, änderte für mich nichtsdestotrotz alles. Und was habe ich mich darauf vielleicht gefreut! Endlich optisch auf Augenhöhe mit den DOS-PC-Versionen. Ein Traum wurde wahr. Allerdings sollte ich wohl vorher kurz ausholen, wofür denn nun eigentlich diese Abkürzung „AGA“ genau steht und wieso das gerade bei mir so heiß begehrt war. Die klassischen Amigas – welche das recht umfangreiche Portfolio von Amiga 500, 500plus, 600, 1000, 2000, 3000 sowie das CDTV umschloss – bezeichnet man desöfteren gern simpel als ECS-Amigas. Die Abkürzung steht dabei für „Enhanced Chip Set“ und beschreibt die Grafik-Chips auf der Platine. Die widerrum ermöglichen es, aus einem Farbtopf von 4096 maximal 32 Farben gleichzeitig auf dem Monitor darstellen zu können. Anno 1982, als der Amiga 1000 den Weg in die Wohnstuben fand, galt dies als absolut ausreichend und den meisten Konkurrenten gar noch ein gutes Stück voraus. Gegen Ende der 80iger zeichnete sich jedoch schnell ab, dass die 256 Farben des VGA-Standards des DOS-PCs das Rennen machen werden. Um nicht den Anschluss zu verpassen, entwickelte Commodore aufgrunddessen zu Beginn der 1990er die „Advanced Graphics Architecture“ – oder kurz: das „AGA“ (in mancher Literatur wird es übrigens auch in abgekürzter Fassung als „Advanced Architecture“ (AA) bezeichnet). Dieser neue Chipsatz sollte zum VGA-Standard aufschließen. Der Plan ging theoretisch auf, waren nun ebenso auf dem Amiga 256 Farben gleichzeitig möglich, die aus einer 24-Bit-Palette mit insgesamt 16,7 Millionen verschiedenen Tönen stammen. Bezogen auf die Kolorite konnte man also endlich sagen: VGA=AGA.

Ab 1992 verbaute Commodore das AGA-Chipset im Amiga 1200, später im Amiga 4000 und dem AmigaCD³². Ungünstigerweise schlug die Realität zu. Problem Numero eins: Die AGA-Chips erschienen erst 1992 und damit mindestens zwei Jahre zu spät. Zum Zweiten ließen sich die älteren ECS-Amigas nicht nachrüsten. Da jedoch gerade die 500er-Baureihe unter der Gemeinde weit verbreitet war, mussten viele Entwickler fortan zweigleisig fahren und sowohl eine ECS- wie auch eine AGA-Variante des selben Spieles anbieten. So eröffnete Commodore zwar den Spieleherstellern endlich einfachere Konvertierungen vom DOS-PC, doch dieser Vorteil verpuffte eben durch diese Zweigleisigkeit. Bis zuletzt sollten die ECS-Modelle in der Amiga-Gemeinde einfach eine deutlich höhere Verbreitung finden, womit sie wirtschaftlich – trotz der Neuerung der AGA-Chips – weiterhin bedacht werden mussten. Eine blöde Situation! So existierten also plötzlich von einigen Spielen zwei Amiga-Fassungen: eine ECS-Variante mit 32 und eine für die AGA-Maschinen in den viel schmuckeren 256 Farben.

Als mir der Gedanke zu diesem Kapitel kam, entschied ich schon bevor ich auch nur ein Wort tippte, dass ich im finalen Artikel unbedingt eine Gegenüberstellung von Spielen wollte, welche in beiden Varianten existieren. Denn ECS und AGA direkt nebeneinander zu sehen, zeigt den Vorteil ohne große Worte. Und da gab es einige wenige, wirklich derbe Beispiele. ‚Wing Commander‘ von ‚Origin‘ war so eines, bei dem sich die Optik beider Fassungen massiv unterscheidet. Grund: Das amerikanische Softwarehaus arbeitete in der originalen Amiga-Version lediglich mit 16 Farben und nutzte somit noch nicht einmal die ECS-Farbpallete voll aus. Die schaffte nämlich bis zu 32 Farben gleichzeitig. Man erhoffte sich wohl mit dieser Reduzierung die schlechte Performance ein wenig zu heben. Ohne schnelleren Prozessor zuckelte ‚Wing Commander‘ auf einem Amiga 500 an manchen Stellen nämlich in Zeitlupe. Ob dieses Prozedere letztlich so viel brachte, entzieht sich meiner Kenntnis, optisch ändert es jedoch alles. ‚Wing Commander‘ sieht in der ursprünglichen ECS-Fassung farbarm, „dreckig“ und „ausgefranzt“ aus. Nicht missverstehen: Ich habe das Teil dennoch über Monate wie ein Verrückter gezockt. Wer sich für meine Geschichte diesbezüglich interessiert, der wird in Kapitel I fündig. In der späteren AGA-Fassung für das AmigaCD³² verzichtete man glücklicherweise auf etwaige Limitierungen und konvertierte die DOS-PC-VGA-Version 1:1. Auf der „Freundin“ optisch ein enormer Sprung. Mit den 256 Farben wandelt sich nämlich die Stimmung und die Atmosphäre der Weltraum-Ballerhatz vollkommen. Blöderweise vergaß man, diese Version direkt für AGA-Rechner wie den Amiga 1200 umzusetzen. Die optisch schönere Fassung existiert ausschließlich für das AmigaCD³². Sofern man ein CD-Laufwerk besitzt, funktioniert die mit dem Amiga 1200 zwar mit dem CD³²-Emulator ebenso anstandslos, angenehm ist's aber nicht. Ich hätte zumindest gern die Möglichkeit gehabt, diese Fassung auf die Festplatte zu installieren. Als reine AmigaCD³²-Version ging sie zudem an vielen „normalen“ Amiga-Spielern komplett vorbei. Schade drum.

Letztlich immer wieder unglaublich, wie massiv sich damalige Präsentationen zum Teil allein nur dadurch abhoben, weil sie eine größere Farbpalette verwendeten. In den Endachtziger und Neunzigern galten Farben generell durchweg als großes Thema. Damals existierten einfach viel mehr Konsolen und Computer, von denen jeder in Sachen Grafik sein eigenes Süppchen kochte. Zu guter Letzt man darf eines nicht vergessen: Es ist das immer noch dasselbe Spiel, doch Farben ändern eine Menge. Das Auge „isst eben mit“.
Das Adventure 'Erben der Erde' und die Unterschiede zwischen AGA und ECS

Solch' massiven Unterschiede wie im Fall ‚Wing Commander‘ sollten unter´m Strich aber die Seltenheit bleiben. Ja, ECS-Spiele konnten im direkten Vergleich mit den farbenfroheren AGA-Fassungen nicht mithalten, nichtsdestotrotz war der optische Unterschied für die meisten Gamer verschmerzbar. Das Adventure ‚Erben der Erde‘ ist hier ein gutes Beispiel, denn es offenbart ebenfalls schnell, welche Version welche ist, doch die grafischen Abweichungen halten sich letztlich in Grenzen. Das alte 32-Farben-Chipset lässt nur bei weichen Farbverläufen oder Schattierungen die Federn. Während mit AGA richtig schöne, sanfte Übergänge drin waren, sah man eben beim ECS die groben Übergänge deutlich. Die meisten Gamer interessierte das gefühlt wenig, für mich war es indes eine vollkommen neue Welt. Woran das lag? Ich habe mich Jahre auf den AGA-Standard gefreut, schaute ich vorher stets voller Neid auf den DOS-PC, wo der VGA-Standard mich vollkommen einnahm. 256 Farben ... dieser Look ist für mich bis zu dieser Sekunde meines Lebens extrem besonders. Ich liebe einfach diese zeitlose Optik, diese warme Wohlfühl-Atmosphäre – gerade bei den damaligen Adventures von ‚Sierra‘ oder ‚LucasArts‘. Mit der Einführung des Amiga 1200, 4000 und dem AmigaCD³² gab es für mich daher nur noch das AGA-Chipset.

Richtig ärgern tat mich nur eine Sache: Nur weil ich nun einen Amiga 1200 besaß, hieß das jedoch nicht, dass plötzlich alle Spiele in höherer Farbenpracht erstrahlten. Ältere Titel, vor der Ära der AGA-Chips, blieben nämlich auch weiterhin in 32 Farben. Natürlich logisch, da auf den Disks selbstredend nur die Grafiken in weniger Koloriten vorlagen. Dennoch ärgerte es mich wahnsinnig, dass es keine gesonderten Veröffentlichungen für AGA-Rechner gab. Erst recht wenn ich mir Titel wie ‚Monkey Island II‘ oder ‚Indiana Jones IV‘ anschaute. Ich rechnete es zwar hoch an, dass sich ‚LucasArts‘ damals die Mühe machte, beide Adventures von grundauf in 32 Farben noch einmal gänzlich neu zu kolorieren, aber die VGA-Fassungen sahen einfach so unvergleichlich aus. Leider erschien niemals ein einziges ‚LucasArts‘-Adventure in AGA für den Amiga. ‚Day of the Tentacle‘ wäre es fast geworden, sollte jedoch niemals in den Händlerregalen ankommen.

Bei ‚Sierra‘ zeigten sich die Unterschiede zwischen Amiga und PC obendrein so extrem, dass man förmlich nach einer AGA-Version bettelte. Wer sich beispielsweise ‚King´s Quest V‘ zuerst in der Amiga-ECS-Variante und dann in der für DOS-PC-VGA anschaut, bekommt ein ähnliches Bild wie bei ‚Wing Commander‘ von ‚Origin‘ geboten: Farbflatschen und ein subjektiv deutlich „schmutzigeres“ Bild. Dunkle Schattierungen konnten gleichmal einfach nur rabenschwarz sein oder verwirrten mit unpassenden Farben. Stellenweise sahen manche Locations aus, als hätten sie einen Grafikfehler. Vor Crispins Haus ist der Baum vorne links ein gutes Beispiel: Auf dem PC mit weichen angenehmen Grautönen versehen, auf dem Amiga die volle Kontrastpackung in schwarz, mit schrägen Farben zwischendrin. Dass damit einiges an Charme verloren geht, braucht keine weitere Erklärung. ‚Sierra‘ machte sich in meinen Augen einfach optisch wie performancetechnisch nie so richtig Mühe, wenn es um den Rechner von Commodore ging. Für mich galten sie als PC-Firma durch und durch.

So viele optisch wunderschöne Grafik-Adventures der großen Firmen erschienen niemals erneut für AGA-Rechner. Der Amiga muss auf ewig mit zum Teil massiv farbschwächeren Versionen vorlieb nehmen. Mich ärgert dieser Umstand noch immer bis ins Mark. Die Galerie im Anschluss zeigt jedenfalls sehr deutlich, wovon ich hier schreibe: Die Amiga-(ECS)-Fassung von ‚King´s Quest V‘ als Extrem-Beispiel im direkten Vergleich mit der VGA-Version des PCs. Die AGA-Variante wäre zu letzterer identisch gewesen. Braucht man da noch irgendwelche Worte der Erklärung? Doch wie hätte man den Aufwand rechtfertigen sollen? Geld nahm zu diesem Zeitpunkt – anno 1992 – schon lange keiner mehr für den Amiga in die Hand. Im Gegenteil: Das Abwandern hatte längst begonnen...
Das klassische Adventure 'Kings Quest V' erschien niemals in 256 Farben für den Amiga. Dort musste man sich mit einer unglücklich kolorierten und gerade einmal 32 Farben schwachen Fassung zufriedengeben

Wer hätte gedacht, dass ich alleine zum Thema ECS/AGA so viel zu schreiben habe. Vielleicht verdeutlicht das, wie sehr es mir wirklich am Herzen liegt. Für mich sind die Zeiten, in denen vor allem die Grafik-Adventures mit ihren 256 Farben die Welt eroberten, eine ganz besondere Ära. Für immer unvergessen. Dieser Look ist schlicht so unbeschreiblich zeitlos und ich liebe die Atmosphäre, die beispielsweise ein ‚Monkey Island‘, ‚Monkey Island II‘, ‚Indiana Jones IV‘, ‚King´s Quest V‘, ‚Space Quest IV‘, ‚Space Quest V‘, ‚Laura Bow II‘, ‚Larry V‘ – oder wie sie noch alle heißen – versprühen. Ein Look, der für meine persönliche Gaming-Nostalgie steht, wie kaum etwas anderes. Leider hatte der PC da letztlich viel, viel mehr davon und dieser Tage sind selbstverständlich sämtliche MS-DOS-Titel längst in meine Sammlung integriert. Nichtsdestotrotz hätte es mich gefreut, diese tollen Grafik-Adventures auch auf dem Amiga so zu erleben, wie sie auf dem PC zu haben waren. Immerhin haben die Macher sich diese eben genau so gedacht. Es ist verdammt schade, dass Commodore erst derart spät mit dem AGA-Chipset um die Ecke bog. Zwei, drei Jahre früher und so viele Titel wären wahrscheinlich in den wunderschönen 256 Koloriten zu haben gewesen. Doch erst 1992 damit zu kommen, galt zwar als wichtiger Schritt, jedoch nun einmal zu spät. Zu dieser Zeit hätte längst ein AGA-Amiga Standard und ein Model mit mindestens einem 68030-Prozessor vorhanden sein müssen, um überhaupt der PC-Konkurrenz irgendetwas entgegenstellen zu können. Wie die Geschichte um Commodore letztlich final ausging, wissen wir leider alle und eben solch' späten Entscheidungen dürften die ersten Sargnägel für den einst genialsten Home-Computer aller Zeiten gewesen sein.
Die Workbench v3.1 – das letzte offizielle Amiga-Betriebssystem
Commodore versorgte jede Amiga-Generation mit eigenen Workbench-Fassungen. Der Amiga 1000 legte mit Version 1.1, später 1.2 los; der Amiga 500 bekam 1.3, der 600er 2.0 und der Amiga 1200/4000 bekam das 3.0 verpasst. Später in der eben angesprochenen Neuauflage der Rechner durch Escoms gab‘s dann sogar noch die Version 3.1. Offenkundig tat sich für den durchschnittlichen Anwender oft nur was in der grafischen Darstellung, aber Leute, die tatsächlich ernsthaft mit dem Amiga 1200/4000 arbeiteten, kamen die zahllosen Verbesserungen mit jeder neuen Fassung sehr entgegen. Ich mochte vor allem die 3.0 sehr gern, denn die war sauber abwärtskompatibel und bot gleichzeitig viele sinnvolle Funktionen. Im Amiga 1200 Magic – wie ich ihn besaß – verbaute man indes das ROM 3.1 und damit auch die Workbench-Fassung v3.1. Hier steckten die Entwickler zwar noch einmal viel Arbeit rein, leider sank erstmals die Kompatibilität mit alter Software. Und die Möglichkeit, da noch ein Update nachzuschieben, sollte ihnen verwehrt bleiben. Die Workbench v3.1 war das letzte offizielle Betriebssystem. In den Jahren danach versuchten sich dann viele Hobby-Tüftler daran, mit eigenen Tools Probleme zu beheben. Erst 1999 sollte sich erstmalig wieder ein „richtiger“ Amiga-Entwickler an eine neue Version setzen. Mit der Amiga Workbench 3.5, später sogar 3.9, versuchte die Firma „Haage & Partner“ zu aktuellen Systemen der Konkurrenz aufzuschließen: TCP/IP-Unterstützung, um damit problemlos im Internet surfen zu können, galt als wohl wichtigstes Feature. Das ging zwar vorher auch schon, doch war mit beträchtlich mehr Aufwand verbunden. Aufwand, den sich nun nicht jeder Nutzer zumuten wollte. 2006 erschien dann erstmals ein Betriebssystem, das nicht mehr mit klassischen Amigas betrieben werden konnte. Amiga OS 4.0 (später noch 4.1) brachte einmal mehr zahllose neue Funktionalitäten mit sich und kümmerte sich vor allem um eine zeitgemäße Präsentation. Grafikkarten wurden direkt unterschützt und ein PowerPC-RISC-Prozessor musste sogar zwingend vorhanden sein. Allerdings – und das muss ich doch sehr offen zugeben – verstand ich diese Entwicklungen in ihrer Sinnhaftigkeit nur begrenzt, existierten sie doch gefühlt nur noch für echte Amiga-Nerds. Außerhalb von Messen scheint es gefühlt keine Amiga-Enthusiasten mehr zu geben. Die Gemeinde ist sehr überschaubar.

Jedoch abseits davon stehen sich die wenigen Firmen, die überhaupt noch an Amiga-Hard- und -Software arbeiten, heute nur zu gern selbst im Weg. Immer wieder machen Rechtsstreitigkeiten auf sich aufmerksam, bei denen noch um das letzte Quäntchen gekämpft wird. So gibt es beim Schreiben dieses Artikels sogar direkt mal wieder einen solchen juristischen Zank zu beobachten, bei dem der momentane Rechtehalter Amiga Inc. den Dienstleister Hyperion verklagt, weil die Mannen die Workbench v3.1 mit einer aktuellen Fassung versorgen. Dabei ist die Workbench v3.1.4 (auch AmigaOS 3.1.4 genannt) doch so lange überfällig gewesen (v3.1 erschien 1993…) und bügelt unter anderem viele kleine Patzer aus, welche die originalen Entwickler über zwanzig Jahre vorher übersahen. Warum hier einen Rechtsstreit anzetteln? Viel Geld ist doch ohnehin nicht mehr zu holen! Ich kann das wirklich nicht nachvollziehen. Es geht hier wahrscheinlich um einige Tausend Euro. Wen interessieren denn als Unternehmen solche Klecker-Beträge? Es ist wahrlich bitter, wenn der Besitzer eines Produkts gegen die Leute schießt, die das noch am Leben erhalten wollen, weil er es selbst nicht tut und statt mit Unterstützung mit dem Anwalt droht. Gerade die Community war es doch schon immer, welche dem Amiga das Leben einhaucht. Heute mehr als je zuvor. Ohne diese Menschen wäre der Amiga nur noch eine blanke Erinnerung. Rechtlich mag hinter dem juristischen Gang vielleicht eine Sinnhaftigkeit stehen, doch rein logisch und menschlich sollte man die wenigen Tüftler doch einfach machen lassen. Ich finde es jedenfalls prima, dass sie ihre Freizeit noch immer in ein Produkt investieren, dass größtenteils älter ist als die eigenen Kinder. Denn warum tun sie das denn? Ganz einfach: Weil es ihnen eben am Herzen liegt.
Workbench v3.1 (Amiga/1994) - Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel das Amiga-Betriebssystem zu Beginn der 1990er bereits konnte, was heute als selbstverständlich gilt

Pinball Dreams / Pinball Fantasies / Pinball Illusions & Slamtilt
Wer diese Reihe überhaupt nicht kennt und nie mit ihr in Kontakt kam, der wird es kaum verstehen, warum ich gerade eine Pinball-Reihe in die Liste meiner denkwürdigen Spiele aufnehme. Doch dem kann nur eines erwidern: Probier‘ es doch einfach aus! Es gibt wohl kaum zeitlosere Spiele als diese Flippersimulationen von ‚Digital Illusions‘. Unzählige Nachahmer haben es versucht, perfektioniert hat es jedoch nur dieses kleine schwedische Studio. Interessant dürfte hierbei sein, dass es kaum einen Reifeprozess zu geben schien. Bereits ‚Pinball Dreams‘ – also der allererste Teil der Reihe aus dem Jahr 1992 – vermochte es Stunden über Stunden an die „Freundin“ zu schweißen und galt schon als beinahe perfekt. Persönlich zeigte ich mich jedes Mal von der tollen Ballphysik beeindruckt, die ebenfalls bereits beim Erstlingswerk passte und sich richtig natürlich anfühlt. Die Anzahl der zu wählenden Tische auf vier zu begrenzen, erscheint beim ersten Gedanken irgendwie zu wenig, letztlich reicht es dann aber doch. Dabei wählten die Entwickler immer ein bestimmtes Thema und bastelten dann einen Flipper darum, realen Pinball-Maschinen nachempfunden. Mit Weltraum, Zirkus, Piraten, Motorsport, Sandstrand, Polizei oder Extremsport bediente man im Laufe der Reihe so ziemlich jede Thematik mindestens einmal mit einem eigenen Tisch. Allerdings begriff ich damals nicht, weshalb ‚Pinball Illusions‘ zum ersten und einzigen Male nur drei Flippertische, statt den üblichen vieren, besaß. Später sah ich dann: Diese Ausnahme gab es nicht. Denn dieser vierte Tisch existiert tatsächlich. Hinter den Kulissen zeigte sich Entwickler ‚Digital Illusions‘ nur nicht zufrieden mit dem auf der Thematik der Wikinger bezogenen Flipper und ließ ihn für die Amiga-Fassung schlicht weg. Erst in der etwas später erschienen PC-CD-Version entschied man sich dann doch noch, ihm eine Chance zu geben. Für den Amiga nachgereicht, wurde der jedoch nicht mehr. Verpasst hat man aber nichts. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber als ich ihn in der DOS-Fassung selbst einmal anspielte, wirkte er tatsächlich irgendwie langweilig. Dabei funktioniert er wie alle anderen Flipper und macht grundsätzlich nichts falsch.

In jedem Ableger schlummerte mindestens ein Flipper, der mir besonders gefiel: Bei ‚Pinball Dreams‘ fand ich die Friedhofs-Thematik spielenswert, genau wie im Nachfolger ‚Fantasies‘. Um allerdings ganz genau zu sein, spielte ich diese beiden Titel nur in der ECS-Version für den Amiga 500. Zumindest von ‚Fantasies‘ gab‘s auch eine AGA-Version, aber die besaß ich damals nicht. Da es in meinen Augen jedoch keinen Sinn macht, die Nennung der Flippersimulationen in die beiden Lager zu splitten, entschied ich mich, ausnahmsweise die ECS-Pandons hier mit zu nennen. Reine AGA-Ableger und damit nur für den Amiga 1200/4000/CD³² sind im Übrigen ‚Pinball Illusions‘ und ‚Slamtilt‘. Die viel größere Farbpalette zeigte dort bereits beim ersten Blick Wirkung. Die Tische sahen richtig genial aus. Aber selbst, wenn man diese Tatsache weg lässt, so sind für mich die beiden AGA-Sequels die besten der Reihe. In die dürfte ich mehr Zeit hineingepumpt haben als zuvor in ‚Dreams‘ und ‚Fantasies‘ zusammen – und das mag was heißen. Ich liebte in ‚Illusions‘ den Extreme-Sport- und den Polizei-Flipper, bei ‚Slamtilt‘ waren es mit ‚Metal Machines‘, ‚Ace of Space‘ und ‚The Pirate‘ derer gleich drei.
Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass Flippern am Computer derart viel Spaß macht, hätte ich‘s ungesehen nicht geglaubt. Es war letztlich einfach die Neugier, die mich dazu bewog, es selbst auszuprobieren. Denn in der echten Welt liebte ich Flipper-Tische. Im städtischen Sommerbad meines Heimatortes existierte eine kleine Spielhöhle und dort standen die Dinger nur so rum. Überhaupt fanden die sich damals in vielen gastronomischen Betrieben und faszinierten mich irgendwie. Ich stand auch gern dabei, wenn andere spielten. Ich mochte die Kreativität und die Fantasie, welche in den Automaten schlummerte. Doch mein (verständlicherweise) begrenztes Taschengeld brachte mich dazu, genau zu überlegen, wann ich eine Deutsche Mark auf Nimmerwiedersehen in einen der Tische steckte. Es war ein Hochgefühl, selbst zu spielen. Manches Mal hatte man jedoch kein Glück und dann bereute ich das Geld, was ich dann doch lieber in eine Kugel Eis investiert hätte. Im Nachhinein betrachtet, finde ich es noch immer ziemlich lustig, wie lasch damals mit der Sicherheit umgegangen wurde. Immerhin standen die Flipper in einem Sommerbad. Nicht selten bekam man eine „gewischt“, wenn man die Tische an den metallischen Teilen berührte. Immerhin war man wenige Minuten zuvor noch im Wasser gewesen und noch meist gar nicht richtig trocken. Letztlich keine große Sache. Wenn es einen selbst erwischte, erinnerte der Stromstoß ein wenig an den Kontakt mit dem Draht des Elektrozauns auf einer Kuhweide.

Die Mannen hinter den hier genannten Pinball-Spielen (bis auf ‚Slamtilt‘, das kam von ‚Liquid Dezign‘) sollten mich letztlich nicht nur damit beeindrucken, dass sie mir zeigten, wieviel Spaß Flipper-Automaten am Amiga machen. Jahre später schafften die das gleich noch einmal mit einer Metamorphose der Superlative. Die Schweden änderten nämlich um die Jahrtausendwende den Kurs ihres Schaffens grundlegend und setzten sich an einen unscheinbaren PC-Shooter, der Geschichte schreiben sollte. Außerdem änderten sie den Namen ihrer Firma in ‚Digital Illusions Creative Entertainment‘. Und da das auf kein Schild passt, ist die schwedische Softwareschmiede heute nur noch unter seiner offiziellen Kurzform ‚DICE‘ anzutreffen – und die kannte ab 2002 jeder Gamer. Denn mit ‚Battlefield 1942‘ krempelten die Schweden kurzerhand den Markt für 3D-Ego-Shooter komplett um. Wer sich auch nur etwas in diesem Genre auskennt, der weiß, die Mädels und Jungen hinter ‚DICE‘ haben die Multiplayer-Massenschlachten in Ego-Shootern praktisch im Alleingang erfunden. Während meines Studiums haben sich jedenfalls viele meiner Kommilitonen buchstäblich im LAN die Nächte auf den virtuellen Schlachtfeldern um die Ohren gehauen. Aus diesem Fundament erwuchs letztlich ein riesiges Franchise, hunderte Millionen schwer, weltweit bekannt und zum momentanen Zeitpunkt mit nicht weniger als elf Ablegern unterwegs. Manches Mal kaum begreiflich, dass dieser Entwickler früher Flipper-Simulationen mit einer handvoll Leuten programmierte, 2016 schon über 600 Mitarbeiter beschäftigte und heute zu den wichtigsten Entwicklern der Welt zählt.

Mit diesen Informationen im Hinterkopf ist es schon verrückt zu wissen, dass das Studio mit gerade einmal sechs Leuten 1990 loslegte. Als sie ‚Pinball Dreams‘ entwickelten, gingen im Übrigen alle noch zur Schule. Vorher hatten sie sich unter dem Namen ‚The Silent‘ in der Amiga-Demoscene einen Namen gemacht. Scheinbar liebten die Jungs schon immer Abkürzungen. Denn ‚The Silent‘ sagte niemand. Es wurde selbstredend cool mit ‚TSL‘ abgekürzt. Die Wurzeln zur Demoscene merkte man ihren Spielen durchweg an. Die Flipper-Tische setzten grafisch durch die Bank mit jedem neuen Ableger noch einen obendrauf. Alleine was aus der Leiste für die Punkte alles herausgeholt wurde. Meine Herren, da liefen teilweise halbe Kurzfilme. Aber als Computermusikbegeisterter sollte es der Komponist Olof Gustafsson sein, der genau wie in den Grafik-Demos die Boxen der Stereoanlage zum Glühen brachte. Für mich galt er immer als der „schwedische Chris Hülsbeck“, wobei sich die Machart beider massiv unterscheidet. Aber dieser Vergleich passt dennoch im übertragenen Sinne ausgezeichnet. Wie bei den zahllosen Titeln, die durch Herrn Hülsbeck ihre musikalisch einmalige Note verpasst bekamen, ließ ich auch die ‚Pinball‘-Titel manches Mal nur deswegen laufen, um den fetzigen Beats zu lauschen – die Stereoanlage immer am Anschlag. Das Hauptmenü von ‚Pinball Fantasies‘ oder ‚Pinball Illusions‘ lief bei mir jedenfalls oft genug in Dauerschleife und die Schallwellen brachten alles in meinem Zimmer zum Beben. Genau diese Momente machten für mich den Amiga vor allem damals so unendlich besonders. Kein System kam zu diesen Tagen näher an echte CD-Qualität wie meine „Freundin“ von Commodore – und dafür, ja, dafür liebte ich sie.
Die 'Pinball'-Reihe (Amiga ECS/AGA 1992-1996) - Bis heute für mich ungeschlagen. Niemand brachte das Flair eines Flipper-Automaten derart kraftvoll auf den Monitor!

'Pinball Dreams' (ECS) [Shot 1], 'Pinball Fantasies (ECS) [Shot 2], Pinball Illusions (AGA) [Shot 3/4], Slamtilt (AGA) [Shot 5/6]

Fortsetzung in der nächsten Kolumne …

Falko Tetzner _ 07.01.2019

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