| Hersteller:
| Microids
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| Vertrieb:
| Microids
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| Steuerung:
| Maus
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| Systemanforderungen:
| Win 95/98/ME/2000/XP / Pentium II 550 MHz / 64 MB RAM / 3D-Grafikkarte 16 MB RAM / ca. 300 MB Festplatte
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| USK:
| Freigabe ohne Altersbeschränkung
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| Offizielle Webseite:
| www.syberia-series.com
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Der Comic-Zeichner Benoît Sokal entführt den Abenteurer mal in eine etwas andere Art von Adventure. Dieses entspricht nicht vollkommen der Realität, aber auch nicht fiktiver Phantasien. Es befindet sich exakt auf der schmalen Grenze dazwischen und diese verschwimmt einmal in diese, dann in die andere Richtung.
Die junge Anwältin Kate Walker wird von New York in die französischen Alpen gesandt - in ein kleines Dörfchen namens Vadilêne, wo eine Automatenfabrik kurz vor ihrem Ruin steht. Diese soll an einen amerikanischen Großkonzern veräußert werden, doch leider gibt es kurz vor dem Vertrag ernste Probleme, denn die Eigentümerin der Fabrik Anna Voralberg stirbt vor dem Eintreffen von Kate. Kurzerhand springt der Notar für die Verstorbene ein, treten doch aber in letzter Sekunde Beweise auf, dass es einen - noch lebenden - Erben geben soll, Hans Voralberg, der Bruder, ein Genie rund um die Automation. Der ist jedoch unauffindbar. So bleibt Kate keine andere Wahl, als sich auf die Spuren des verschollenen Bruders zu begeben und macht dabei seltsame und überraschende Entdeckungen... Parallel zu diesen Ereignissen lernt man den Charakter Kate im Verlaufe des Spieles besser und besser kennen. So kommt es immer mal wieder vor, dass der Chef, die Freundin, die Mutter oder der von Sehnsucht geplagte Freund Dan das Handy klingeln lässt. Auf diese Art und Weise kristallisiert sich langsam der eigentliche Charakter Kates mehr und mehr heraus. Eine sehr interessante Idee, seitens der Entwickler, wie wir finden.
Eine Welt zwischen Realität und Fiktion...
... muss gekonnt in Szene gesetzt werden. 'Syberia' schafft diese Verschmelzung beider Gegensätze mit einer erschreckenden Leichtigkeit, dass man oft vergisst, das gewisse Dinge nicht wirklich existieren. Sprechende menschenähnliche Roboter scheinen leicht als Fiktion abgetan zu sein, aber auch Tiere und dergleichen wurden erfunden und man merkt es oft nicht einmal. Die Grafik an sich strotzt mit 800x600 Bildpunkten, für Adventure eher unüblich, aber sehr detailreich. Die in 32-Bit getauchte Farbwelt tut da ihr übriges zur gelungen Präsentation. Grafisch ist hier alles gekonnt in Szene gesetzt. Die vorgerenderten Hintergründe sehen wirklich toll aus, sind sehr detailverliebt, wirken aber oft starr und leblos. Die zahlreichen Zwischenanimationen haben ebenfalls ein sehr hohes Niveau und können - wenn einmal angeschaut - immer wieder angesehen werden.
Hallo, ist da jemand?
Schön mag die Welt von 'Syberia' ja sein, doch leider trifft man neben den wenigen Animationen in den Locations auch viel zu wenige andere, redewillige Personen. Mögen sich Bekannte mittels Handy immer mal wieder melden, rettet das jedoch nicht die Tatsache, dass man im Spielverlauf einfach auf zu wenige Personen trifft. Da fühlt man sich doch recht allein in der schönen Adventure-Welt. Ein gutes Beispiel hierfür ist im späteren Spielgeschehen ein Abstecher in eine Universitätsstadt: Dort scheinen nämlich mehr als nur Semesterferien zu sein, denn die Stadt ist fast vollkommen ausgestorben.
Musik und Sprachausgabe
Syberias musikalische Seite ist gelungen, so hat jede größere Örtlichkeit ihr eigenes Thema, das immer mal wieder eingespielt wird. Dies passiert allerdings doch recht oft, woraus resultiert, dass man das Thema eventuell irgendwann nicht mehr hören kann, denn neben den orchestralen Themen gibt es im Grunde keine anderen Stücke zu hören. Das kann man aber aufgrund der durchaus gelungenen und glasklaren Sprachausgabe schnell verschmerzen. Sie glänzt mit gut gewählten Sprechern und einer überdurchschnittlichen Qualität. Vor allem sie haucht dem Spiel einen kräftigen Hauch Realismus ein, da kein Dialog abgelesen klingt oder gar lustlos.
Gesteuert wird Kate Walker natürlich mit der Maus und dies in Verbindung mit einem einfachen Interface. Mittels linker Maustaste geht's von A nach B , ein Doppelklick veranlasst Kate zu einem kleinen Sprint und die rechte Maustaste ist für den Inventar zuständig, der sich damit öffnen lässt. Der Inventar an sich ist in mehrere Bereiche aufgebaut. So existieren Verlinkungen mit dem Hauptmenü, zum etwaigen Speichern, dem Handy und natürlich dem eigentlichen Inventar, das die eingesammelten Gegenstände beherbergt. Letzteres ist nie wirklich prall gefüllt und die Anzahl der Objekte sollte sich stets unter dem zweistelligen Bereich halten. Dokumente werden nicht als Inventargegenstände angesehen, sondern werden gesondert "deponiert". Im Großen und Ganzen ein sehr übersichtliches Inventar, welches nach kurzer bis gar keiner Gewöhnungszeit sehr leicht zu bedienen ist. Ebenso simpel sind die dargeboten Rätsel. Die stellen für Fortgeschrittene meist keine wirkliche Herausforderung dar. Sie sind oft einfach und schnell durchschaubar.
Gespräche zwischen Charakteren laufen in einer etwas abgewandelten Art des Multiple Choice ab. Mittels eines Notizblockes kann man nämlich nur die Themen anwählen und anschließend den selbstablaufenden Dialogen lauschen. Bereits gehörte Gespräche verschwinden allerdings nicht von der Bildfläche, sie sind jederzeit wieder abrufbar und man kann Dialoge wiederholen - nicht wirklich vorteilhaft, da man nach längerem Spielen schon mal vergessen kann, was schon besprochen wurde und so nichts anders übrig bleibt, als noch einmal alles durchzugehen.
Alle Punkte zusammengefasst ist 'Syberia' ein besonderes Adventure, keine Frage, da Benoît Sokal so viele Phantasien in dieses Spiel einbrachte. Ein Zug, der aufgezogen werden muss um zu fahren, sprechende Roboter und interessante Konstruktionen warten auf den Spieler, eingepasst in eine schlichtweg hervorragende, grafische Verpackung. Dennoch ist es kein Meilenstein der Geschichte, sondern einfach nur ein ordentliches Spiel.