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USK: Freigegeben ab 16 Jahren
Offizielle Webseite: www.stilllife-game.com
Original [2005] | Special Edition [2007]

Bereits auf der 'Games Convention 2004' gefiel uns vor allem der grafische Eindruck von 'Still Life'. Das schicke Adventure mit interessanter Story machte uns bereits damals Lust auf mehr. Dies ist nun knapp ein Jahr her, die deutsche Version ist erschienen und wir haben für Euch herausgefunden, ob sich die lange Vorfreue unsererseits auch gebührend ausgezahlt hat.
Wie klein die Welt doch ist...
Hauptprotagonistin Victoria McPherson ermittelt seit längerer Zeit in einer brutalen Mordserie. Moment mal… McPherson? Der Name ist nicht durch Zufall bereits bekannt, denn 'Still Life' ist ein indirekter Nachfolger des Adventures 'Post Mortem', in welchem der Spieler Gustav McPherson auf seinen Ermittlungen begleitete, Victorias Großvater. Verrückt ist nur, dass ihre Mordfälle seltsame Parallelen zu einer Mordserie haben, die einst ihr Großpapa untersuchte: Prostituierte werden auf grausamste Weise entstellt und praktisch abgeschlachtet. Erst während den Ermittlungen erkennt Victoria die Parallelen, als sie auf dem Speicher ihres Elternhauses alte Akten und Unterlagen vorfindet. Von nun an schlüpft der Spieler abwechselnd, für je ein Kapitel, in die Haut von Gustav und Victoria. Während man an der Seite von Gustav 1929 Fälle in Prag untersucht, verrichtet die Enkelin gleiche Arbeit in der Gegenwart.
Grafische Augenweide(n)
'Still Life' sieht von Anfang bis Ende einfach nur gut aus. Die ohnehin schon sehr ansehnlichen Locations wurden darüber hinaus noch einmal mit netten Features aufgewertet, so gibt es in den Docks Nebelschwaden oder todschicke Spiegelungen im feuchten Nass. Dass hier nicht gekleckert, sondern richtig rangeklotzt wurde, kommt vor allem in den Zwischenanimationen zum Vorschein: Dynamisch und auf höchstem Niveau wird dort die Geschichte weitererzählt. Dass sich die Entwickler vor allem bei diesen Anleihen des Movie-Blockbusters 'Sieben' geholt haben, ist hier unschwer zu erkennen. Großes Lob von uns an die leider nicht mehr existierende Microids-Schmiede.
Audiotechnisch gehobenes Mittelmaß
In der musikalischen Untermalung kann das Spiel mit einem guten Soundtrack punkten. Leider aber kommt dieser im Spiel viel zu kurz bzw. wird an verschiedenen Locations wiederholt. Absoluter Minuspunkt jedoch: die Sprachausgabe. Erneut haben sich die Entwickler für das selbige Team entschieden, das bereits die beiden 'Syberia'-Teile ins Deutsche synchronisierte. Dies geht sogar soweit, dass für Hauptprotagonistin Victoria McPherson exakte die gleiche Stimme verpflichtet wurde, die bereits mühsam versucht hat, Kate Walker Leben einzuhauchen. Kurz und knapp: Die Synchronisation ist ganz klar das große Manko des Spieles. Nicht nur, dass das Gesagte nicht annährend lippensynchron ist, nein, die Sprecher hauchen wahrlich den Figuren kein wirkliches Leben ein. Vieles klingt sehr gestellt, abgelesen und zum Teil völlig falsch betont. Schade, denn vor allem bei einem Spiel diesen Ausmaßes und dieser komplexen Story ist eine gute Wahl der Sprecher unerlässlich für die passende Atmosphäre.
Steuerung innovativ, doch fummeliges Inventar
Die Charakter zu dirigieren ist einfach wie immer, auch in 'Still Life'. Ein Klick und der Charakter bewegt sich zum Zielpunkt, Doppelklick veranlasst zusätzlich zu einem kleinen Sprint. Alles bereits bekannt, doch funktionieren die Gespräche etwas anders. Eine Auswahl verschiedener Aussagen gibt es in 'Still Life' nicht, sondern lediglich ein Klick auf eine der Maustasten gibt die Richtung an, in welches das Gespräch führen soll. So ist die linke Maustaste für alle story-relevanten Gespräche verantwortlich und wer gewöhnlichen Small-Talk nicht ausstehen kann, der lässt einfach die Finger von der rechten Maustaste. Mit Druck auf diese werden nämlich unrelevante Dinge besprochen, die für den weiteren Verlauf des Adventures ohne jede Bedeutung sind.

Doch das Gewöhnungsbedürftigste ist wohl die Führung des Inventars und die Benutzung der Gegenstände. Natürlich dennoch nicht allzu schwer, doch vollkommen anders als man es als alteingesessener Abenteurer gewohnt ist. So wurde auf Verben völlig verzichtet und auch wirres Benutzen der Gegenstände mit der Umgebung entfällt. Nähert man sich mit dem Protagonisten einer unwichtigen Stelle, kann man keine Gegenstände benutzen. Erst bei relevanten Gegenständen erscheint eine greifende Hand im oberen linken Teil des Bildschirmes. Diese signalisiert, dass etwas benutzt werden kann. Nun klickt man sich ins Inventar, klickt den Gegenstand an, den man verwenden möchte, dann auf die ebenfalls greifende Hand im Inventar und erst dann folgt die Aktion. Etwas umständlich, doch es klingt sicherlich schwerer als es eigentlich ist. Nach kurzer Einarbeitungszeit sollte man den Dreh raus haben.
Die Rätsel
Die Denksportaufgaben werden in das altbewährte Nutzen von Gegenständen und Logik-Aufgaben aufgeteilt. Erstere bieten selten großen Anspruch, womit das Abenteuer in dieser Hinsicht sehr einfach ausgefallen ist. Kopfnüsse sucht man grundlegend vergebens. Einzig und allein das Rätsel um das Backen von Weihnachtsplätzchen empfanden wir als völlig sinnloses, aber sehr schwieriges Rätsel. Es bringt die Story nicht ein Stück voran und dient lediglich zum Bremsen des Spielflusses. Ist uns leider schleierhaft, was sich die Macher hierbei gedacht haben.

Die andere Seite der (Rätsel-)Münze sind die Logikaufgaben. Sie steigern im Laufe des Spieles kontinuierlich ihren Schwierigkeitsgrad. Sind die Ersteren noch keine wirkliche Herausforderung, mutieren spätere Rätsel zu richtigen Kopfnüssen. Beispielsweise muss Gustav in Prag ein Schloss mit zwei Dietrichen knacken: Anspruchsvoll, doch durchweg logisch, wenn man den Mechanismus erst einmal verstanden hat
Gutes Adventure mit Schönheitsfehler
Mit 'Still Life' wurde nicht zu viel versprochen: Gelungene Story mit überraschenden Wendungen, viel tolle Grafik und noch edlere Zwischensequenzen im Hollywood-Format. Wäre da nur nicht dieses große Defizit der Sprachausgabe. Die falsche Betonungen und zum Teil laienhafte Darbietungen der Sprecher nehmen zu viel vom Spielspaß. Denn hat 'Still Life' erst einmal Atmosphäre aufgebaut, wird diese regelmäßig zerstört, sobald einer der Figuren seinen Mund öffnet. Wirklich sehr schade, denn ansonsten ist 'Still Life' ein tolles Adventure einer leider toten Software-Schmiede. Fazit: Wer über die Laiensprecher hinwegsehen kann und mindestens das 16 Lebensjahr erreicht hat, ist mit einem Kauf sehr gut beraten.

[ 23.07.2005 ]

Nachtrag zur Special Edition
Vor zwei Jahren erschien der exzellente Thriller 'Still Life' und hätte eigentlich viele Preise abräumen müssen. Dies machte aber die mäßige deutsche Sprachausgabe zunichte. Die Special Edition will nun diesen Fehler endlich ausbügeln.

Die Geschichte oder Grafik sind auch in der Special Edition absolut unverändert. Bis auf den Punkt, dass die neue Version auf nur einer DVD erschien - nicht wie das Hauptprogramm auf zwei CD-ROMs. In der Haut von Victoria McPherson in der Gegenwart und Opa Gustav in der Vergangenheit muss man eine rätselhafte Mordserie aufklären, die selbst nach vielen Jahrzehnten noch nicht zum Abschluss zu kommen scheint. Geniales Spiel, super Atmosphäre, aber in den Dialogen wurde, in der deutschen Sprache durch eine teils laienhafte Synchronisation, so Vieles zunichte gemacht - schade. Die "besondere Version" schafft dem aber endlich Abhilfe, denn man kann sich nun auch dafür entscheiden, das englische Original zu installieren. Das würden wir auch auf jeden Fall empfehlen, denn die Sprecher sind gut bis sehr gut besetzt und unterstreichen die Krimi-Atmosphäre tadellos. Leider kann man die beiden Sprachvarianten nicht kombinieren. Wer gern den englischen Ton hören, aber die deutschen Texte lesen will, hat diese Option leider von Haus aus nicht. Die Lösung des Dilemmas ist aber denkbar einfach: Beide Versionen installieren (in verschiedene Verzeichnisse) und dann vom englischen Spielverzeichnis den Ordner "Voices" unter "RESSOURCES\RStillLife\SOUNDS\" in selbigen der deutschen Variante verschieben und die Dateien überschreiben. Für die Videos macht man das zusätzlich noch für den Ordner "Video" unter "Data\". Schon hat man die gewünschte Konstellation und kann die deutsche Version mit der hervorragenden englischen Sprachausgabe genießen.
Die Specials in der Special Edition
Nebst dem eigentlichen Spiel finden sich auch noch Konzeptzeichnungen, Wallpaper und Videos auf dem optischen Datenträger. Leider ist ein Großteil des Materials bereits von der offiziellen Webseite bekannt. Lediglich die Gemälde, die in 'Still Life' vorkommen, sind neu und wurden in dieser Form bislang nicht publiziert. Als Rätselhilfe hat es auch die 33seitige Komplettlösung auf die DVD geschafft, welche in 'Acrobats' PDF-Format vorliegt und mit der sich das Spiel, aufgrund des hohen Detailgrades, ohne weiteres lösen lässt. Das restliche Material hat nichts mit Victorias Abenteuer zu tun und bietet zwei 'Runaway II'-Filmchen und die dazugehörige Demo - die 15 Tage-Probierversion von 'Norton' sparen wir uns jetzt einfach.
Ausgebügelter Fehler
Die 'Still Life'-Special Edition ist erschienen, um den Fehler der unpassenden, deutschen Sprachausgabe endlich auszubügeln. Somit hat, unserer Meinung nach, niemand mehr ein Argument, sich dem Abenteuer zu entziehen. Wer's also noch nicht sein eigen nennt, der kann bedenkenlos zugreifen und sich auf einen spannenden Krimi freuen. Besitzer der deutschen Version sollten selbst entscheiden, ob sich die Anschaffung lohnt. Die englische Version ist es wert, das Bonusmaterial jedoch nicht.

[ 26.02.2007 ]

HINWEIS:
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