| Hersteller:
| FunCom
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| Vertrieb:
| digital tainment pool
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| Steuerung:
| Maus
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| Systemanforderungen:
| Win 95/98 / Pentium 166 MHz / 32 MB RAM / ca. 300 MB Festplatte
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| USK:
| Freigegeben ab 6 Jahren
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| Offizielle Webseite:
| www.longestjourney.com
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| Kompatibilität:
| GOG / VirtualPC / VMWare
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| Deutsch:
| Komplett
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April Ryan lebt in einer fernen Zukunft, umgeben von tausend Tonnen Stahl, fliegenden Fahrzeugen und jeder Menge toller Technik. Sie besucht eine Akademie der Künste, nachdem sie von daheim fort gelaufen ist. Sie hatte eine schwere Kindheit hinter sich und denkt, nun endlich ihr Leben in den Griff zu bekommen. Doch seit Tagen wird sie von Albträumen geplagt, die ihr den Schlaf rauben. Sie träumt von allerlei mystischen Dingen, doch stempelt diese Gedanken einfach als Träume ab, bis sie eines Tages einen Mann namens Cortez trifft, der ihr anscheinend die Gefühle in den Augen ablesen kann. Er ist ein sehr verrückter Mann, genießt nicht gerade das höchste Ansehen, doch macht er April neugierig. Nach mehreren Treffen mit Cortez macht sie plötzlich Bekanntschaft mit der Tatsache, dass vor langer Zeit die Erde gespalten wurde und so eine weitere, andere Erde existiert. Der Grund der Spaltung war die Trennung von Wissenschaft und Magie. Während Stark, unsere Welt, die Wissenschaft und Technik beherbergt, ist die Magie in der anderen Welt, Arcadia, präsent. Um das Gleichgewicht zwischen beiden Welten zu wahren, existiert ein Hüter, der dieses immer in Waage hält. Jedoch hat dieser seinen Platz verlassen und das Gleichgewicht zwischen Stark und Arcadia droht zu brechen. Risse öffnen sich, die fremde Wesen hervorbringen. Würde dieses Gleichgewicht brechen, gäbe es das Chaos.
Die Heldin April hat nun die Aufgabe, dieses mit allen Mitteln zu verhindern. Als ob dies aber noch nicht genug für ein Adventure wäre, existieren in Stark Fanatiker, die nicht an das Chaos glauben und so die beiden verschiedenen Welten mit Gewalt wieder vereinen wollen. Diese legen April viele Steine auf ihrer lange Reise in den Weg und sind kaltblütige Gegenspieler, die es ebenfalls aufzuhalten gilt. Auch die Zeit drängt, denn mit jedem Tag verschiebt sich das Gleichgewicht zusehends. So beginnt April, zwischen den beiden Welten zu reisen und versucht, diese vor dem Untergang zu bewahren.
Nun beginnt der Spieler an der Seite der Heldin April die beiden fremden Welten zu erforschen, denn sowohl die hoch entwickelte Welt Stark als auch die mittelalterliche Welt Arcadia bieten viel Interessantes, das es zu erforschen und zu entdecken gilt - wobei wir schon bei der Grafik wären. Diese ist einfach nur super gelungen, bietet Detailfreude und ist sehr abwechslungsreich. Alle Räume sind dabei vollständig vorgerendert, bieten allerdings nicht die flache 2D-Ansicht, sondern sind strikt in 3D gehalten. Normalerweise stößt man bei Konkurrenzprodukten hier auf eine Tastatursteuerung, aber nicht bei 'The Longest Journey', denn April wird komplett mit der Maus gesteuert, ganz nach der alten Point-and-Click-Manier. Ein Klick an die gewünschte Stelle bzw. an den gewünschten Ausgang und die gute April sucht sich selbstständig den kürzesten Weg. Um in den teils recht großen Locations jedoch die Wartezeit zwischen den Räumen zu verkürzen, veranlasst ein Doppelklick unsere Protagonistin zum Rennen. Dennoch zieht sich bei manchen Locations selbst diese, schnelle Variante, etwas hin, was aber nicht weiter tragisch ist. Mehr die Tatsache, dass es sehr oft einfach zwischen den Räumen nur hin und her geht, um im Adventure weiterzukommen, wobei sehr viel Zeit verloren geht.
Die Heldin selbst bewegt sich superflüssig und schnell erkennt man, dass das Verfahren des Motion-Capturings zum Einsatz kam, bei welchem echte Schauspieler die Bewegungen vorahmen, diese vom Rechner erfasst und auf April übertragen wurden. Dadurch kommt ein sehr hoher Realismus auf, mit dem Nachteil, dass jedoch nur April sich sehr weich bewegt. Die sonstigen Figurenbewegungen anderer Personen sind etwas steifer und bei einigen wenigen wirken diese fast roboterartig. Letzteres macht dem Spielspaß allerdings keinen Abbruch, denn die doch recht zahlreichen und aufwendigen Zwischensequenzen geben eventuell vorhandenen Motivationslücken keine Chance, zudem sie nach erstmaligen Anschauen immer wieder angesehen werden können. Auch Sound und Musik sind sehr gelungen. Beide protzen mit sehr gehobener Qualität. Die Sprachausgabe ist sehr proffessional und man trifft fast nur auf gut ausgewählte Synchronstimmen, passend zu den jeweiligen Figuren. Die exzellente Musik wird nur an bestimmten Orten bzw. bei wichtigen Situation eingespielt und verleiht viel Atmosphäre.
Das Lösen der Rätsel wurde in 'The Longest Journey' im Übrigen erleichtert, so dass nur richtige Lösungen vom Programm erkannt und ausgeführt werden. Zu sehen ist dies, wenn man einen Gegenstand mit einem anderen benutzt und der Coursor zu blinken beginnt. Andere Aktionen werden - wie eben beschrieben - nicht ausgeführt, mit dem Vorteil, dass zum Einen das Adventure leichter ist und zum Anderen der nervige Satz: "Das wird nicht funktionieren." verbannt wird. Jedoch ist diese Variante auch nicht zu leicht, denn während die meisten Rätsel strikt logisch und nicht allzu schwer zu lösen sind, muss man ab und zu doch über fünf Ecken denken, um die richtige Lösung zu finden.
Einziges Manko des wirklich gelungen Adventures sind die teils doch recht langwierigen und ausführlichen Dialoge. Sie bieten zwar sehr viele Informationen und sind zumeist auch für das Lösen der Rätsel wichtig, doch wären Kürzungen hier und da nicht schwerwiegend gewesen. Vorallem die anfänglichen Dialoge wirken meist nicht so hilfreich und hätten eigentlich sogar vollends weggelassen werden können. Wahrscheinlich wollten die Entwickler damit das "normale Leben" von April besser dem Spieler näher bringen.
Fantastisch anzusehen sind aber vorallem die beiden wirklich tollen Welten: Eine in ferner Zukunft, die andere im tiefsten Mittelalter. Durch diesen großen Gegensatz entsteht eine extreme Vielfalt und Abwechslung, die ihresgleichen sucht. Stark erstahlt dabei teils sogar in Splatterpunk-Manier und bietet von dreckigen Straßen über ansehnlichere Stadteile, bis hin zu wohlhabenden Gegenden - allein - schon sehr viel Abwechslung. In Arcadia hingegen fühlt man sich sehr in das Mittelalter zurückversetzt, mit Markständen, einer mittelalterlichen Stadt, Magie, Zauberei, sprechenden Vögeln und Fabelwesen.
Beim Spielen dieses Adventures spürt man die vielen Ideen und die Arbeit, die hier einflossen und es ist einfach interessant, immer mehr zu entdecken und sich dabei an den Welten zu erfreuen. Es ist für jeden etwas in diesem Spiel dabei, untermalt von einer sehr interessanten und spannenden Story, die sogar filmtauglich wäre. Man sollte sich die längste Reise von April Ryan auf keinen Fall entgehen lassen, denn das Spiel macht - im positiven Sinne - seinem Namen alle Ehre.
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