
Hersteller: | Daedalic Entertainment |
Vertrieb: | Daedalic Entertainment |
Steuerung: | Maus |
Systemanforderungen: | Win XP/Vista / Prozessor 1,0 GHz / 512 MB RAM / 64 MB Grafikkarte / ca. 7 GB Festplatte |
USK: | Freigabe ohne Altersbeschränkung |
Offizielle Webseite: | edna.daedalic.de |


Die Kunst des Telemorphens
Hin und wieder finden die beiden Bezugspunkte, die direkt mit der Vergangenheit in Verbindung stehen. Durch diese ist es Harvey möglich, Edna in ihre Kindheit zu katapultieren und Geschehnisse aus dieser Zeit noch einmal zu erleben oder gar damals erworbene Fähigkeiten erneut zu erlernen. Diese Sequenzen kommen leider im Spiel deutlich zu selten vor, sind sie doch einer der großen Höhepunkte des Adventures. Unter anderem lernt man gerade durch sie Edna erst richtig kennen. Es ist kaum zu glauben, wieviel Sympathie man während des Grübelns für den gezeichneten Pixelhaufen aufbringt. Selten war eine Figur derart lebendig und so gut durchdacht. Während die Steuerung sich im Großen und Ganzen an die bewährte SCUMM-Mechanik anlehnt, laufen die eben erwähnten Rückblenden etwas anders ab. Dort kann man nämlich zusätzlich den Hasen Harvey steuern, und via Drag-and-Drop interessante Gegenstände auf eine Inventarleiste ziehen, um anschließend mit Edna darüber zu sprechen. Überhaupt quillt das Abenteuer im gesprochenen Wort fast über. Bereits während der Installation haben wir mit Erstaunen feststellen müssen, dass es sich von den zu installierenden rund 7 GByte - bei über 90%(!!) - ausschließlich um Sprachdateien handelt. Edna hat zu allem - jedem Nagel, jedem Stützpfeiler - einen passenden Kommentar parat. Doch dem noch lange nicht genug: Sämtliche Gegenstände in den Locations lassen sich zusätzlich mit Harvey benutzen, der dann ebenfalls noch zahllose Kommentare von sich gibt. Sollte man einmal feststecken, lohnt es sich auf jeden Fall letzte Option mal kräftig auszuschöpfen, was dann regelmäßige Schmunzler und Lacher zur Folge hat. Ein derartig ausgearbeitetes, umfassendes Dialog-Script hat man im Adventure-Bereich selten gesehen. Zudem ist das hervorragend vertont und mit perfekten Sprechern besetzt, die gekonnt Betonungen und Akzente treffen – eine absolute Glanzleistung!! Daneben glänzt ebenso der Soundtrack mit angenehmen und passenden Melodien.
Mal etwas Anderes
Nicht nur, dass das Spiel vollständig in der Programmiersprache „Java“ entwickelt wurde, was gerade im kommerziellen Bereich sehr ungewöhnlich ist, zusätzlich sind sämtliche Locations vollständig von Hand gezeichnet. Wir denken, dass dieser Umstand wohl der einzige sein wird, der nicht durchgehend Freunde findet. Immerhin erinnert das Gesehene oft an ein Flash-Spielchen aus dem World Wide Web als an ein kommerzielles Adventure. Doch hat man erst ein paar Stunden an Ednas Seite verbracht, will man den Stil auch nicht mehr missen wollen, passt er doch zu dem skurrilen Drumherum. Immerhin trifft man zahlreiche komische Typen. Bei dem Einen besteht das Vokabular lediglich aus dem Wort „Droggelbecher“, der Nächste nennt sich „Alu-Mann“, der mit einem Kleiderbügeln besondere Schwingungen aufnehmen können will und wieder ein Anderer steckt in einem Bienenkostüm und kann eine derartige Ohrenschmalzproduktion vorweisen, dass man damit glatt den Fensterkitt ersetzen könnte. Die Ideenvielfalt der Charaktere ist so abwechslungsreich, dass sie angenehm an Klassiker wie 'Day of the Tentacle' von 'LucasArts' erinnert, was sich ebenfalls in einigen Soundfiles wiederspiegelt. Sackt Edna nämlich einen Gegenstand ein, dann ertönt das gleiche Sample wie einst beim kalifornischen Klassiker.


Java als Vor- und Nachteil
Wie bereits gemeint, griffen die Entwickler auf die plattformübergreifende Programmiersprache „Java“ zurück, veröffentlichten das Spiel aber lediglich mit einer Installationsroutine für Windows-Systeme. Mittlerweile haben gewiefte Zocker dem Titel beispielsweise auch auf dem Macintosh das Ausbrechen beigebracht. Warum diese Hybrid-Technik nicht genutzt und entsprechend vermarktet wurde, bleibt wohl ein Geheimnis der Entwickler. Wie dem auch sei, es ist möglich, Edna sowohl im Vollbild als auch im Fenstermodus zu durch rätseln. Leider ist bei hohen Windows-Auflösungen letzter Modus kaum zu empfehlen. Immerhin kommt 'Edna bricht aus' lediglich mit einer kleinen Auflösung von nur 800x600 Bildpunkten daher, was dann damit endet, dass das Spiel lediglich in Briefmarkengröße spielbar ist. Ein weiterer Kritikpunkt ist die verdammt lange Lade- und Speicherzeit von Spielständen. Bei einem kleinen Rechner kann da schnell der Eindruck entstehen, der Titel wäre abgestürzt. Immerhin friert das Bild vollkommen ein, der Mauszeiger lässt sich nicht bewegen und dieser Zustand hält dann im Schnitt für 10 Sekunden an. Eben je nachdem, wie aktuell die Hardware unterm Schreibtisch ist. Auch die wenigen, brauchbaren Einstellmöglichkeiten haben den Nachteil, dass sie beim nächsten Start neu konfiguriert werden müssen. Das Adventure merkt sich nämlich nicht die beim letzten Start gewählte Konfiguration. Das betrifft zwar nur ganz wenige Details, die kaum auffallen, hätte aber nicht sein müssen.
Ausbruch geglückt?
Beim Betrachten der ersten Screenshots und selbst nach dem ersten Start rümpften wir erst einmal etwas die Nase. Immerhin ist die Optik unzeitgemäß und auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig. Was wir jedoch nicht erwartet hatten, war der Umstand, dass uns der Titel im Nu in seinen Bann zog. Edna und ihr sprechender Plüschhase Harvey sind schlichtweg zu sympathisch, als dass man ihnen beim Ausbruch nicht unter die Arme greifen würde – was neben den guten Dialogen auch an den tollen Sprechern liegt. Insbesondere die Rückblenden sind toll inszeniert, kommen jedoch viel, viel zu selten vor. Die Rätsel sind durchweg logisch und bieten für Fortgeschrittene genügend Grübelstoff. Eventuell könnten sich jedoch Anfänger etwas überfordert fühlen, da man zu Beginn fast mit Locations und Hotspots erschlagen wird. Unterm Strich haben wir uns in Edna erst auf den zweiten Blick verliebt, dann aber über beide Ohren. Unbedingt kaufen!
[ 10.07.2008 ]
