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© 2002 - 2026
Adventures Unlimited
Hersteller: LucasArts
Vertrieb: Electronic Arts
Steuerung: Maus
Systemanforderungen: Win 95/98/Me / Pentium 200 MHz / 32 MB RAM / ab 8 MB Festplatte
USK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Kompatibilität: ResidualVM / VirtualPC / VMWare / Spezieller Install-/Game-Patch für aktuelle Systeme
Deutsch: Komplett
Die Hoffnung war groß, aber wirklich daran geglaubt, dass 'LucasArts' tatsächlich zum vierten Streich ausholt, hat sicherlich niemand. Immerhin waren seit dem Release des Vorgängers ganze fünf Jahre ins Land gestrichen. Erste Meldungen ließen so ziemlich sämtliche Möchtegernfreibeuter erneut die Augenklappen und Holzbeine anlegen. Zumindest bis erstes Material gezeigt wurde. 'Monkey Island IV' entfernt sich nämlich grafisch und spielerrisch von den Vorgängern. Denn 'LucasArts' ließ es sich nicht nehmen, nach 'Grim Fandango' auch mit der vierten Affeninsel die Segel in Richtung 3D zu setzen und auf eine Maussteuerung gleichmal komplett zu verzichten.
„Als ich den Sand von Monkey Island ausspuckte, fragte ich mich, ob das Leben eines mächtigen Piraten wirklich genau so war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich habe die kürzlichen Ereignisse ignoriert, die mir eigentlich als Warnung hätten dienen sollen vom angeblichen Ableben meiner Frau bis hin zu den antipiratischen Aktivitäten eines australischen Geldsacks. Wenn ich nur einen anderen Weg eingeschlagen hätte, wäre LeChuck jetzt immer noch tot, und die Ultimative Beleidigung wäre für immer ein Geheimnis geblieben. Wenn ich doch niemals das Schwert erhoben hätte, wären die grogsaufenden Piraten des Dreinselreichs jetzt nicht von Resozialisierung und dämonischen Höllenfeuern bedroht. Wenn ... plötzlich tippte mir der beharrte Finger eines mir bekannt vorkommenden Affen auf die Schulter. Es war Zeit. Zeit für die größte Schlacht meines mächtigen Piratenlebens.“

– Auszug aus den Memoiren von Guybrush Threepwood,
‚Meine Jahre auf Monkey Island‘
Irgendwo vor der Küste von Mêlée Island
Als Guybrush und Elaine am Ende des dritten Teiles endlich ihre Ringe zum heiligen Bund der Ehe austauschten, ging's erst einmal drei Monate in die Flitterwochen. Wieder zurück auf Mêlée Island scheinen sich anschließend offenbar die Bewohner nicht die Bohne dafür zu interessieren, dass ihre Gouverneurin wieder anwesend ist. Mehr noch: Da in der Karibik drei Monate Abwesenheit einer Ewigkeit gleichzukommen scheint, wurde Elaine kurzerhand für Tod erklärt. Damit erlöschen jedoch auch sämtliche Ansprüche an ihre Gouverneursvilla, weshalb die direkt abgegerissen werden soll. Als wäre dies aber immer noch nicht schlimm genug, muß Elaine zu ihrem Bedauern feststellen, daß obendrein bereits ein neuer Kandidat für den Gouverneursposten in den Startlöchern steht und sie zum Wahlkampf herausfordert: Charles L. Charles. Logisch, daß es mal wieder hauptsächlich an Guybrush liegt, das nahende Unheil abzuwenden. Auf Lucre Island stattet er daher den Anwälten seiner Frau einen Besuch ab, damit diese die Angelegenheit rechtlich regeln können. Dort händigen die Winkeladvokaten Guybrush allerdings einen uralten Brief von Großvater Marley aus, in welchem er die Gefahren der Ultimative Beleidigung beschreibt - einem Voodoo-Talismann, der gestandene Männer in Memmen verwandelt. In den falschen Händen könnte man damit gar die ganze Karibik unterwerfen und obendrein sämtliche Piraten auszumerzen. Zufälligerweise ist ein australischer Visionär bereits mit Volldampf dabei, die groggurgelnden Mentalitäten der Augenklappenträger zu dezimieren. Als Meister im Beleidigen hat der nämlich in den vergangenen Monaten ganze Inseln zu diversen Beileidigungsduellen herausgefordert, um diese in familiengerechte Themenparks zu verwandeln. Das kann kein Zufall sein... Und selbstredend hat natürlich auch LeChuck erneut irgendwie seine Finger im Spiel. Denn was wäre ein Serienteil ohne Guybrushs ärgsten Feind?
Aus 2 mach 3(D)
Die gezeichneten Hintergründe wichen vorgerenderten Locations, was sich nach dem todschicken Vorgänger verständlicherweise wie ein Rückschritt anfühlt - zumindest auf den ersten Blick. Verwendung fand die leicht geupdatete Version der GrimE-Engine , die bereits in 'Grim Fandango' ihre Arbeit verrichtete. So werden sämtliche Figuren als echte 3D-Figuren berechnet, die sich auf vorgerenderten Hintergründen bewegen. Die sind überwiegend aber dann doch sehr schick anzusehen und detaillreich gestaltet. Das Karibik-Flair hat uns jedenfalls sehr gut gefallen und man meint hin und wieder gar die Seeluft zu riechen. Die dreidimensionalen Figuren fallen allerdings in ihrer Qualität teils deutlich zurück und sehen im schlimmsten Fall etwas deplaziert aus. Das gilt leider auch für den Ton. Grundsätzlich erneut mit Norman Matt und Co. sehr gute Sprecher gefunden, doch im direkten Vergleich zu Teil drei ist die höhere Kompression und die damit verbundenen Verluste in der Qualität recht deutlich zu hören. Optisch und akustisch besser geht's da nur in den selbstlaufenden Zwischensequenzen, die nach erstmaligem Schauen auch per Menü jederzeit erneut abgespielt werden können. Die kurzen Filmchen in "besserer Spielgrafik" kommen nun im Gegensatz zum Teil drei in größerer Anzahl und tragen einen nicht unwesentlichen Teil der Handlung, die sich stellenweise über mehrere Inseln erstreckt.
Steuerungsgewirr die Zweite
Mit der verwendeten 'Grim Fandango'-Engine hält leider ebenso das größte Manko Einzug in die Karibik, mit dem Guybrush dem geliebten Computernager adé sagt und ausschließlich per Tastatur oder Gamepad dirigiert werden will. Dabei ist die Steuerung per Tastatur derart überladen, dass wir tatsächlich erstmals ganz bewusst zum Gamepad gegriffen haben. Damit geht's wenigstens mit etwas mehr Komfort zur Sache, während wir uns im Minutentakt das gute, alte Point-and-Click zurück wünschen. Die voreingestellte figurenbezogene Steuerung sollte man übrigens direkt deaktivieren und zur kamerabezogenen wechseln. Ansonsten steuert sich Guybrush nämlich wie ein Panzer, der sich nur auf der Stelle drehen kann, wenn er die Richtung ändern möchte - Intuitivität sieht jedenfalls anders aus. Doch kamerabezogen zu spielen, bietet nicht nur Vorteile: Besteht eine Locations beispielsweise aus mehreren Kameraperspektiven, ändert sich in jeder Perspektiver dann eben auch Steuerung analog zur Perspektive aus welcher die Kamera auf das Geschehen blickt. Das kann an einigen Stellen ziemlich verwirrend sein, stellte sich aber nichtsdestotrotz als beste Möglichkeit heraus, das Adventure zu steuern - das kleinere Übel eben. Angenehm ist indes, dass per Knopfdruck Locations direkt verlassen werden können und man nicht zwingend jedes Mal zum Ausgang laufen muss.
Lang ist's her ... zurück auf Mêlée Island
Mit der kleinen Insel Mêlée Island hatte 1990 die Reise zum ersten Mal begonnen. Da freuen sich Fans natürlich auf den erneuten Besuch nach so langer Zeit. Allerdings lehnt die Optik nur recht lose an die Locations aus dem Original an. Die Proportionen sind nicht unbedingt maßstabsgetreu. Der berühmte zusammenhängende Straßenzug aus dem ersten Teil, bei dem die Uhr stetig 10:00 Uhr zeigte, erinnert in Runde vier sicherlich ungewollt mehr an ein Dorf aus der Kinderserie "Die Schlümpfe". Vielleicht sehen wir das ein wenig überspitzt, fragen uns jedoch schon, wo das Problem gewesen sein soll, sich etwas näher das Original von 1990 anzuschauen. Von diesem Ausrutscher abgesehen wird der Fanservice ganz groß geschrieben und bietet zahlreiche Wiedersehen mit vielen Alt-Bekannten. Ob Carla, Otis, Meathook, die Voodoo-Lady oder Stan - alle laden sie zum obligatorischen "Was hast Du seit damals getrieben"-Dialog ein. Selbst die Beleidigungsduelle haben erneut den Weg in die Serie gefunden, fallen aber deutlich überschaubarer aus. So müssen wir den neuen Besitzer der SCUMM-Bar im Beleidigungsarmdrücken besiegen, damit der sich für unsere Schiffsreisen als Navigator zur Verfügung stellt. Da Guybrush wie von Zauberhand sämtliche Antworten parrat hat, ist ein Sieg sogar direkt beim ersten Anlauf möglich - weshalb sich die Herausforderung im Gegensatz zu den Vorgängern in Grenzen hält.
Vielschichtige Rätsel
Für Freunde des gemütlichen Rätselns wird einiges geboten. Die Grübelkost ist durchweg sehr vielseitig und abwechslungsreich. Nur hin und wieder müssen wir schon einmal um die Ecke denken oder schlicht ein wenig Herumprobieren. Ein paar Hinweise wären da hilfreich gewesen. Dass wir Kunsthaut über ein Gully-Loch spannen müssen, um damit ein Trampolin zu basteln, ist jedenfalls alles andere als offensichtlich. Nicht ganz so gut gefallen hat uns übrigens der im letzten Viertel des Adventures zu absolvierende "Monkey Kombat", bei dem wir mit bestimmten körperlichen Stellungen Kontrahenten besiegen müssen. Dabei ist aber nicht nur relevant zu wissen, welche Haltungen nun zum Sieg führen: So wissen wir vielleicht, dass die Stellung "Ängstlicher Affe" den "Panischen Pavian" besiegen wird, doch müssen wir eben auch wissen, wie wir von unserer momenentanen Stellung überhaupt in den "Ängstlichen Affe" wechseln können. Im Großen und Ganzen natürlich machbar und nach einigen Versuchen durchschaut, aber weit entfernt davon, ein würdiger Nachfolger der legendären Beleidigungsfechtduelle zu sein. Wir empfehlen auf jeden Fall ganz altmodisch mit Papier und Bleistift Notizen zu machen. Beim nächsten Durchspielen sind diese Informationen nebenbei bemerkt unbrauchbar - die Regeln des "Monkey Kombat" werden bei jedem Komplett-Neustart des Adventures immer wieder zufällig frisch zusammengewürfelt.
Hinweis: Lauffähigkeit auf aktuellen Systemen
Auf mordernen 64-Bit-Windows-Systemen kann 'Monkey Island IV' weder installiert noch gespielt werden. Dies ist nur mittels eines inoffiziellen Patches möglich, der die Installationsroutine sowie das Launcher-Tool ersetzt.

Zur Downloadseite des Installer-/Starter-Patches
(für alle 64-Bit-Windows-Versionen)

WICHTIG: Nach der Installation sollte der 'Monkey Island IV' ausschließlich über den neuen Launcher gestartet werden! Beim ersten Mal wird des Weiteren die Installation des offiziellen Patches Version 1.1 empfohlen, was unbedingt getan werden sollte (er ist im Paket bereits enthalten). Ohne das Update ist ansonsten ein Rätsel nicht losbar und das Adventure neigt häufig zum Absturz.
Der vollkommen unterschätzte Monkey-Ableger
Zugegeben wir haben nun nicht unbedingt Luftsprünge gemacht, dass sich 'LucasArts' dazu entschied, auch mit 'Monkey Island IV' auf den damaligen 3D-Zug aufzuspringen. Dabei ist die 2,5D-Optik eigentlich gar nicht das Hauptproblem. Die ist nämlich sehr schick anzusehen und muss nur im direkten Vergleich mit dem todschicken Vorgänger ein paar Federn lassen. Hauptmanko an 'Monkey Island IV' ist die Steuerung: Guybrush per Tastatur zu dirigieren, spielt sich schlichtweg unkomfortabler als mit der Maus - zudem sind recht viele Tasten in Benutzung. Es ist daher schon ernüchternd, dass wir bei einem Adventure zum möglichst angenehmen Rätseln ein Gamepad empfehlen müssen. Abgesehen davon wird die vierte Affeninsel aber vollkommen zu unrecht unterschätzt. Den vierten Streich nur aufgrund der Grafik oder Steuerung zu verteufeln, ist ein richtig großer Fehler! Im Kern bietet 'Monkey Island IV' nämlich alle Zutaten, die ein gutes Adventure ausmachen und die man von einem Serien-Teil des Frachises erwarten darf: Die Rätsel sind vielseitig, der Humor lädt zum gekonnten Schmunzeln ein und die Atmosphäre stimmt. Gegen Ende wird's dann zwar selbst für Monkey-Verhältnisse ein wenig zu abgehoben, doch niemand sollte den Fehler machen, die "Flucht von Monkey Island" aufgrund von Äußerlichkeiten gar nicht erst anzugehen! Ihr verpasst ein richtig gutes Adventure! Für uns stellte sich die Frage jedenfalls nicht. Das ist eben 'Monkey Island': Denn so gern wir uns eine Point-and-Click-Steuerung gewünscht hätten, sind wir doch letztlich gern bereit, für Guybrush Threepwood ein paar Zugeständnisse zu machen.

[ Klassiker-Test (neu aufgelegt) _ 18.08.2016 ]
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