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© 2002 - 2026
Adventures Unlimited
Hersteller: LucasArts
Vertrieb: Softgold
Steuerung: Maus
Systemanforderungen: Win 95 / Pentium 90 MHz / ca. 2 MB Festplatte
USK: Freigegeben ab 12 Jahren
Kompatibilität: ScummVM
Deutsch: Komplett
Was gegen Ende der Neunziger als Aprilscherz begann, wurde tatsächlich 1997 endlich Wirklichkeit: 'LucasArts' holte zum dritten Teil des Piraten-Epos aus und wischt ganz nebenbei mit der gesamten Konkurrenz dieser vergangenen Tage den Boden auf. Eine Meisterleistung und das obwohl das dritte Debüt ganz ohne Serien-Schöpfer Ron Gilbert auskommen musste. Der hatte nämlich bereits Jahre zuvor George Lucas' Spiele-Traumfabrik verlassen. Doch die beiden Projektleiter Larry Ahern und Jonathan Ackley nahmen besonnen die Herausforderung an und drückten Teil drei wohlmöglich einen der prägensten Stempel der Adventure-Geschichte überhaupt auf.
„Von Trinidad bis Tortuga kenne ich die See und ich habe noch nichts Vergleichbares gesehen! Der Verlobungsring, den ich Elaine ansteckte, ist mit einem schrecklichen Piratenfluch belegt. Da steckt LeChuck dahinter, ganz bestimmt. Ich hätte wissen sollen, daß sich in diesen üblen Zombieschätzen nichts gutes findet. Und, als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, erzählt mir die Hellseherin im Mangrovensumpf, daß ich mein Leben lassen muss, wenn ich Elaines Fluch brechen will!“

– Auszug aus den Memoiren von Guybrush Threepwood,
‚Meine Jahre auf Monkey Island‘
Tief in der Karibik ... Monkey Island
Wir erinnern uns: Am Ende des zweiten Teils befand sich Guybrush überraschenderweise urplötzlich als Kind auf einem Jahrmarkt und ließ uns als Spieler im ersten Moment mit der Frage zurück, ob sich der Möchtegern-Pirat seine Abenteuer nur eingebildet hatte? Chuckies Geste suggerierte zwar in letzter Minute, dass es sich wohl doch nicht um die reale Welt handelt, viele Fragen blieben trotzdem unbeantwortet. Teil drei löst nun endlich das Rätsel: Tatsächlich befand sich Guybrush in einer Illusions LeChucks, damit der endlich freie Bahn zu seiner Lieblings-Gouverneurin Elaine Marley hat. Irgendwie schafft es Guybrush aber dennoch diesem skurilen Jahrmarkt der Verdammten wieder zu entkommen und treibt nun hilflos mit einem Auto-Scooter auf dem Meer. Halb verhungert und verdurstet schreibt er seine wohlmöglich letzten Gedanken in sein Tagebuch, nichtsahnend, dass er direkt auf Plunder Island zusteuert. Doch in Sicherheit ist er deswegen noch lange nicht, wird die Insel doch zufälligerweise gerade von LeChuck belagert, der dort Elaine zur Hochzeit abholen möchte. Unwissend über Guybrushs Anwesenheit unterhalten sich die Beiden, wobei das Frauenzimmmer nicht nur LeChucks Avancen zurückweist, sondern im selben Atemzug ihre tiefe Liefe zu Guybrush gesteht. Dem fällt ein Stein vom Herzen, allerdings wird er genau in diesem Moment entdeckt. Aus dem Meer gefischt, lässt ihn LeChuck unter Deck einsperren, wobei es für Guybrush nun kein Halten mehr gibt. Auf der Flucht stibitzt er noch fix einen Ring aus LeChucks Schatzkammer, fasst allen Mut zusammen und macht Elaine am Strand letztlich den lang ersehntene Heiratsantrag. Doch das lief alles viel zu glatt für ein Adventure: Dummerweise ist der Ring mit einem Piraten-Fluch belegt, der die heiratswillige Gouverneurin in eine massive Statue aus purem Gold verwandelt. Um das nun aber wieder rückgängig machen zu können, braucht Guybrush erst einmal eine willige Crew, die ihn nach Blood Island begleitet, bis er sich schließlich einmal mehr im finalen Showdown LeChuck stellen muss.
Zeitlose und wunderschöne Optik!
Selbst ohne riesengroße Nostalgiebrille ist die grafische Präsentation noch immer ansehnlich. Was Chef-Zeichner Bill Tiller und sein Team hier auf den Monitor zauberten, ist eine unverschämt elde Zeichentrickoptik, die problemlos die Jahre, die vorrüberzogen - im Gegensatz zu sämtlichen 3D-Titeln damaliger Zeit - überdauerte und praktisch keinerlei Altersschwäche zeigt. Bereits die ersten Minuten damals reichten wahrscheinlich nicht nur bei uns aus, sich komplett in den Titeln zu vergucken. Allein schon das rund sieben minütige Zeichentrickintro kann es locker mit aufwendigen Cartoon-Produktionen aus Film und Fernsehen aufnehmen. Hatten wir uns in der Vergangenheit bereits in den optischen Flair und die Atmosphäre der beiden Vorgänger verliebt, sind wir mit Teil drei vollkommen hin und weg. Vor allem der hohe Detailgrad und die vielen kleinen humorvollen Anleihen geben dem Gesehenen noch den allerletzten Schliff. Pirattenskelette mit aufblasbaren Schwimmhilfen zeigen zudem bereits im Intro, dass sich die Geschichte einmal mehr nicht wirklich ernst nimmt. Dieses sympathische und stetig zum Schmunzeln einladende Wesen des Titels ist für sämtliche Altersgenerationen gleichermaßen geeignet und schafft eine unnachahmliche Wohlfühlatmosphäre.
Norman Matt als Guybrush Threepwood
Um das Zeichentrickflair perfekt abzurunden, dürfen wir zum ersten Mal in der Geschichte der Serie einer komplett deutschen Vertonung lauschen. Mit Norman Matt wurde eine absolut passende deutsche Stimme für unseren Möchtegern-Piraten gefunden, die einfach wie die Augenklappe auf's Auge passt. Die Naivität; die humorvollen Andeutungen und der Zynismus - so und nicht anders hat man sich Guybrush Threepwood stimmlich immer vorgestellt. Aber auch die restlichen Figuren, wie Elaine und LeChuck, sind superb vertont und das in einer Qualität, die umhaut. Gelungene Wortwitze, lustige Dialekte - die Redner ziehen alle Register und es macht einfach bis zum letzten Bit Spaß, den Charakteren zu lauschen. Zusammengenommen mit der wunderschönen Grafik überrascht es daher nicht, dass die dritte Affeninsel erstmals in der LucasArts-Firmengeschichte auf zwei CD-Roms ausgeliefert werden musste. Richtig schade ist allerdings, dass in der deutschen Fassung der Song "A Pirate I Was Meant To Be", den Guybrush mit seiner Besatzung auf offener See singt, herausgeschnitten werden musste und nur in der originalen, englischen Vertonung zu hören ist. Der gut vierminütige Song schlummert allerdings nichtsdestotrotz auch auf den deutschen Disks: Wer mit 'ScummVM' ein neues Spiel beginnt und die Sprache auf Englisch stellt, kann dem Song dennoch lauschen (bis auf die Gesangseinlage ist das Adventure aber weiterhin in Deutsch). In dem lässt 'LucasArts' die iMuse-Soundsystem-Muskeln spielen, bei dem die Melodie dynamisch angepasst wird.
SCUMM-Engine in finaler Version
Wie wir heute wissen, war 'Monkey Island III' das letzte Adventure der 'LucasArts'-Ära, welches auf die Script-Creation-Utility-for-Maniac-Mansion-Engine - oder kurz "SCUMM" - setzte. Die wurde für die dritte Affeninsel ein letztes Mal angepasst und unterstützte nun endlich auch unter anderem Microsofts Windows 95. Außerdem verschwinden mit der - nach 'Sam & Max' und 'Vollgas' - erstmals in der Monkey-Serie die Aktionsverben, um den Blick auf die wunderschönen Locations nicht zu verdecken. Halten wir die linke Maustaste auf einem Hotspot gedrückt, öffnet sich ein sensitives Menü in Form einer Plunder-Island-Münze, mit der wir durch das Berühren der verschiedenen Symbole die drei Grundaktionen Benutzen, Reden und Betrachten auslösen können. Das geht so flott von der Hand, dass wir zu keinem Zeitpunkt der Verbenleiste der Vorgänger nachgetrauert haben. Mittels rechter Maustaste können wir jederzeit das Inventar aufrufen, was sich im Laufe das Abenteuers zudem ordentlich füllt und die einzelnen Gegenstände als Mini-Grafik darstellt. Um die Objekte untereinander zu benutzen, nehmen wir sie einfach mit dem Mauszeiger auf und klicken damit auf das zweite Verwendungsobjekt. Intuitiver und komfortabler kann man ein Adventure nicht steuern.
Ein freudiges Wiedersehen mit alten Bekannten
Da zwischen LeChucks Rache und dem dritten Teil ganze sechs Jahre ins Land strichen, war es natürlich umso schöner, einige der liebgewonnen Charaktere in der Fortsetzung wieder zu sehen. Obendrein wird direkt zu Beginn endlich aufgeklärt, was denn eigentlich aus dem Kartenzeichner Wally geworden ist, welcher nach LeChucks Festung in 'Monkey Island II' irgendwie vergessen wurde. Generell klappt die Grätsche zum Vorgänger recht gut. Als wir Stan beispielsweise wiedertreffen, ist der doch tatsächlich noch immer in dem Sarg eingesperrt, wo Guybrush ihn einst lebend eingenagelt hatte. An anderer Stelle läuft uns mal wieder die Voodoo-Lady über den Weg, die komischerweise immer auf der Insel ihre Zelte aufzuschlagen scheint, auf der Guybrush ihre Hilfe braucht. Für Serien-Fans alles liebgewonne Altbekannte. Dennoch müssen wir ehrlicherweise sagen, dass man den leicht neuen Tönen, die 'Monkey Island III' gegenüber den Vorgängern anschlägt, schon ein wenig anmerkt, dass statt Monkey-Papa Ron Gilbert dieses Mal Jonathan Ackley und Larry Ahern das Ruder übernahmen. So richtig kann man zwar mit dem Finger nicht auf die Unterschiede zeigen, Fans der Serie sollten sich an derlei Kleinigkeiten allerdings nicht stören. Atmosphäre und Spielspaß tut das jedenfalls keiner einzigen Sekunde Abbruch.
"Ich bin Guybrush Threepwood. Ein mächtiger Pirat!"
Freunde des Beleidigungsfechtens kommen in Teil drei erneut auf ihre Kosten. Allerdings sind die Kontrahenten auf hoher See ein wenig anspruchsvoller und verlangen, dass sich die Antwort auf die Kränkung zusätzlich noch reimt. Zuvor müssen wir mittels eigenem Schiff die gegnerischen Pötte kampfunfähig ballern, bevor's überhaupt ans Beleidigen gehen kann. Zwischenzeitlich müssen wir außerdem unseren Kahn schrittweise aufrüsten, um mit den Kanonen wuchtiger und über längere Distanzen feuern zu können. Diesen kleinen Minispielen, abseits der bekannten Adventure-Knobelarbeit, begegnen wir alle Nase lang: Im ersten Kapitel müssen wir die Schiffskanone in LeChucks Flaggschiff bedienen, um die Beiboote zu zerstören - an anderer Stelle will ein Pirat im Banjo-Spielen geschlagen werden. Wer sich übrigens die volle Monkey-Dröhnung nicht geben kann oder mag, dem steht wie im Vorgänger ein leichterer Schwierigkeitsgrad zur Verfügung. Bei dem werden einige härtere Kopfnüsse direkt vom Spiel als gelöst angesehen und müssen gar nicht erst angegangen werden. Beide Wege durchzuspielen ist allerdings nicht nötig, da sich am Geschehen und Verlauf der Story nichts ändert.
Eine beeindruckende Fortsetzung
Im Jahr 1997 stand die Adventurewelt still: 'Monkey Island III' ist nicht nur eine absolut würdige Fortsetzung, sie schwimmt obendrein die ganze Zeit gekonnt auf der Welle der Vorgänger mit. Tolle, abwechslungsreiche Rätsel; charmante Charaktere und ein göttlicher Humor. Wenn direkt zu Beginn LeChucks Skelett-Piratenmannschaft mit aufblasbaren Schwimmhilfen in die Beiboote steigen, kann man sich das Grinsen nicht verkneifen. Es ist schön zu sehen, dass 'LucasArts' die Witzdichte bei 2 Lachern pro Sekunde halten konnte. Ein Großteil des Humors zündelt aber vor allem auch durch die hervorragenden Sprecher - allen voran Norman Matt als Guybrush Threepwood. Was die hier abliefern, ist absolut unglaublich. Selten haben wir so viel Hingabe bei einer deutschen Vertonung miterleben dürfen. Zu guter Letzt bietet die dritte Affeninsel sicherlich die opulenteste grafische Präsentation der gesamten 'LucasArts'-Firmengeschichte, deren wohlige Atmosphäre über all die Jahre nichts eingebüßt hat. Dieses Kult-Adventure kann schlichtweg jedem empfohlen werden, selbst wenn der nur ein Quäntchen für Adventures übrig hat. Ob jung oder alt, ob Fan oder nicht - alle werden auf ihre Kosten kommen. 'Monkey Island III' ist einfach etwas ganz Besonderes!

[ Klassiker-Test (neu aufgelegt) _ 11.08.2016 ]
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