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Einleitung: Part I
Amiga 500: Part II | Part III | Part IV | Part V | Part VI
Part VII | Part VIII | Part IX | Part X | Part XI
Part XII | Part XIII | Part XIV | Part XV
Commodore 64: Part XVI
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Kolumne 58: (Zu) lang ist's her - Part XVI
Zwar alles andere als chronologisch, doch mit dem Ende des ersten Kapitels, rund um den Amiga 500, versuche ich mit Euch einen kurzen Reset von all dem, was Ihr bislang gelesen habt. Denn der Commodore 64 erschien drei Jahre vor dem ersten Amiga-Modell und bestimmte beinahe die gesamten 80er Jahre über den Videospielmarkt. Mit geschätzten sowie obendrein für damalige Verhältnisse unglaublichen 22 Millionen(!) verkauften Exemplaren gilt Commodores Erstlingsmaschine als der damals erfolgreichste Heimcomputer überhaupt. Absolut zurecht. Meinen Kontakt mit dem liebevoll von den Fans betitelten "Brotkasten" war zwar recht überschaubar, dafür umso tiefgreifender. Einige wenige Titel und eine der langjährigsten Freundschaften meines Lebens prägten meine Zeit mit dem Commodore 64 (kurz C64) unumkehrbar. Dieses zweite Kapitel wird lediglich nur zwei Kolumnen umfassen, doch ich hoffe, dieser Exkurs tut es meinen Erinnerungen gleich: Überschaubar, dennoch ebenso prägend.
Kapitel II : Commodore 64
Erschienen: 1982
Verkaufte Einheiten: geschätzt 17-22 Millionen
Architektur: 8 Bit / MOS Technology 6510 mit 0,985 MHz (PAL) bzw. 1,023 MHz (NTSC)
Arbeitsspeicher: 64 KByte
Grafische Darstellung: 320x200 Bildpunkte (Standard-Auflösung) mit 16 Farben
Mein C64: (Ich besaß nie einen eigenen)
Um ehrlich zu sein habe ich mich schon richtig darauf gefreut, ein paar Worte über den Commodore 64 zu verlieren, der tatsächlich seinem Namen alle Ehre machte und auch von der namensgebenden Firma entwickelt wurde. Was viele gar nicht wissen, das war beim Amiga nicht der Fall. Der wurde nämlich nur aufgekauft. Dennoch hatten beide eines gemeinsam: Sie mischten ordentlich den Markt auf – jeder auf seine Art und Weise. Der Amiga allerdings hauptsächlich nur in Europa, während der C64 buchstäblich die Welt eroberte. Mit geschätzt rund 22 Millionen verkauften Exemplaren quer über den Globus gilt er bis heute als meistverkaufter Heimcomputer aller Zeiten. Heute mögen die Leistungsdaten der so genannten „Brotmaschine“ nur noch einen fragenden Blick erzeugen, denn wie man mit 64 Kilobyte überhaupt irgend etwas auf einen Bildschirm projizieren kann, scheint heute kaum noch begreifbar. Ein durchschnittlicher PC besitzt dieser Tage 8 Gigabyte Arbeitsspeicher – der C64 hat demzufolge gerade einmal rund 0,0008% dieses Fassungsvermögens. Und dennoch faszinierte diese kleine Kiste scharenweise Gamer der 1980er Jahre um sich herum. Woran lag das? Ganz einfach: Der C64 zeigte zum ersten Male in der Geschichte überhaupt, dass der Computer in den Wohnungen dieser Welt angekommen und für jedermann erschwinglich war. Spieleentwickler überall auf der Welt sahen plötzlich eine Chance wie niemals zuvor, Ideen und Konzepte zu entwickeln, die bis zu diesem Zeitpunkt nur schwer auf sündteuren Großrechnern oder eben gleich gar nicht die Möglichkeit der Umsetzung darboten. Der Commodore 64 zeigte sich dabei für Programmierer als sehr anwenderfreundlich, was vielen Hobby-Schöpfern in die Hände spielte. Zu diesen Zeiten sollte es nämlich nicht unüblich sein, dass ein Spieleentwickler aus lediglich einer einzigen Person bestand. Keine Teams, mit denen man sich absprach – nur man selbst und sein Tatendrang. Und das war´s: Plötzlich konnte einfach jeder da draußen ein Spieleentwickler sein und eigene Konzepte durch die Nullen zum Leben erwecken. Dass muss schon eine ungeheure Synergie gewesen sein, an der ich leider so gut wie gar keinen Anteil hatte. Ich besaß ja schon die Maschine gar nicht selbst. Dennoch stelle ich mir diese Zeit ähnlich vor, wie mit dem Aufkommen des World Wide Webs Ende der 90er. Als Modems und die Preise für‘s Surfen langsam erschwinglich wurden und auf einmal jeder, der wollte, eine eigene Homepage entwickelte und damit auf einen Schlag mit der gesamten Welt verbunden war.

Für mich begann die Geschichte des C64 recht unscheinbar nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1990. Nachdem mich bereits der KC-85C – einer der bekanntesten DDR-Computer – mit dem Spiel ‚Digger‘ total in seinen Bann zog, veränderte dieser kleine Rechner von Commodore mein Weltbild für immer. Doch das wusste ich noch nicht, als ich zum ersten Mal in diesen einen Raum in meiner damaligen Grundschule meines Heimatortes trat. Den teilte sich der C64 mit dem Atari 2600. Beide wurden beinahe wie Museumsstücke behandelt und mit Samthandschuhen angefasst. Für unsere Lehrer standen die beiden Rechenknechte eben für (sündteure) „West-Technik“ – schon alleine deswegen sorgte man vehement dafür, dass die Tasten nur der berührte, der das auch wirklich sollte. Disketten legte man derart sorgsam ein, als würden die bei falscher Berührung in ihre elementaren Bestandteile zerfallen. Heute mag das einen gewissen Schmunzelcharakter ins sich bergen, für uns Kids sorgte dieses Vorgehen nichtsdestotrotz dafür, dass wir ebenfalls eine gewisse Wertigkeit in den Geräten sahen, womit wir diese gleichsam entsprechend sorgsam behandelten. Außerdem ist mir noch immer der Spruch im Ohr, welchen unserer Erzieher beinahe gebetsartig ständig predigte: „Wenn Ihr die Geräte kaputt macht, könnt Ihr nicht mehr damit spielen.“ Diese Logik ist für Kinder so einfach wie unmissverständlich.
Dieser erste Moment, als ich endlich den Raum betrat, ist einer dieser Erinnerungen, bei denen man – als sie passierten – nicht wusste, wie sehr sich diese in das Gedächtnis brennen. Ich habe noch den Moment vor meinem inneren Auge, in welchem meine Mitschüler und ich ihn zum ersten Mal betraten, in dem die beiden Maschinen – der C64 auf der linken, das Atari 2600 auf der rechten Seite – standen. Aufgebahrt wie zwei Heiligtümer warteten sie da und machten aus einem recht heruntergekommenen und verbrauchten Ambiente für uns Kinder schnell den schönsten Ort, den es für uns gab. Kaum betreten, buhlten wir um die Gunst dieser beiden Maschinen. Doch die zu bekommen, war nicht unbedingt leicht. Denn zwischen dem süchtig machenden Spielspaß und mir stand eine ganze Gruppe anderer Kinder. Jeder wollte nur eines: Den Joystick in die Hand nehmen und endlich selbst loslegen. Obendrein war die Zeit recht begrenzt. Zwei Stunden waren es meistens, in denen wir in die virtuellen Abenteuer aufbrachen. Und saß man dann endlich vor einem der Geräte und nahm den Joystick in die Hand, verschwanden all die anderen um einen herum. Plötzlich war da nur noch das Spiel und Du. Die Rufe und Sprüche der anderen nahm man schon noch wahr, aber es wirkte als wäre da eine dicke Glasscheibe, die mich von den anderen trennte. Es war so als würde die Realität kurz zur Seite treten und Platz für etwas anderes machen: etwas virtuelles. Mir persönlich hatte es vor allem der Commodore 64 unfassbar angetan, das Atari ließ ich oft sogar komplett links liegen. Ich kann das eigentlich heute kaum noch in Worte fassen, wie sich das anfühlte, an diesem Rechner zu sitzen. Es war einfach so viel unbeschreiblicher als alles andere. Manchmal würde ich ganz gern als mein jetziges Selbst in die Vergangenheit zurückreisen und mich da sitzen sehen – mit Augen, leuchtend wie Halogenscheinwerfer und total vereinnahmt, kaum die Außenwelt noch wahrnehmend. Ein richtiger kleiner Gamer, am Anfang seiner Karriere…

Aber irgendwann musste es passieren: Ich passte nicht auf und meinem Charakter wurde das virtuelle Leben ausgehaucht. Wieder in der Realität ankommend, reichte ich den Joystick an den nächsten weiter, machte Platz und schloss mich den zahllosen Dialogen an, in denen über Geheimnisse und Taktiken umfassend diskutiert wurde. Und genau in einer dieser vielen Gesprächsrunden traf ich einen Gleichgesinnten, der meine Hingabe für die virtuellen Welten in eben genau demselben Maß teilte. Obgleich sich hieraus erst einmal noch keine feste Freundschaft entwickelte, sollte es aber dennoch der Grundstein für einer der längsten Freundschaften meines bisherigen Lebens sein. Eine Freundschaft, die selbst heute – nach über 25 Jahren ihres Bestehens – noch genau den gleichen Bestand und Wichtigkeit für mich in sich birgt. An den Gesprächsthemen hat sich tatsächlich nur so viel verändert, dass wir uns natürlich auch über Erwachsenenkram unterhalten – Arbeit, Familie oder irgendwelche Stolpersteine, die momentan am Gemütszustand nagen. Im Kern – und das ist für mich das Besondere – sind wir immer noch die kleinen Jungen von damals, die voller Hingabe für das Medium der Computerspiele sind und nur zu gern in Nostalgie über die guten, alten Gaming-Zeiten schwelgen. Und nach dieser langen Zeitspanne fühlt sich das eben mehr wie Familie an. Ich habe niemals einen Hehl daraus gemacht, dass ich in meinem guten alten Freund eigentlich einen weiteren Bruder sehe. Es ist tatsächlich die zweit-längste Freundschaft meines bisherigen Lebens, die nur noch von der überboten wird, die seit dem Kindergarten existiert. Beide haben dabei das Eine gemein, dass ich jedes Mal selbst verblüfft darüber bin, wenn ich die Jahre zusammenrechne. Solche Konstanten sind, neben der leiblichen Familie, etwas ganz Besonderes und wichtiger Teil meines Lebens. Solche wahren Freundschaften zeichnen sich durch das Vertrauen, ihre Langlebigkeit, Beständigkeit und dem Umstand aus, dass man sich teilweise zahlreiche Wochen oder gar Monate nicht sehen kann: Dennoch unterhält man sich beim Wiedersehen so, als wäre seit dem letzten Treffen praktisch kaum Zeit vergangen.
X-Out
Mit diesem Kleinod verbinde ich viel, denn es knackte für mich die jungfräuliche Wahrnehmung für Computerspiele in einer Art und Weise, die mir erst viele Jahre später bewusst werden sollte. Der Titel von ‚Rainbow Arts‘ verband nämlich viele für mich damals brandneuen Eigenschaften, welche ich bis dato Spielen noch nicht zuordnete. Ganz vorn stand hier die unwirklich edle Musik von Chris Hülsbeck. Ich wusste damals noch nicht, wer das war, aber ich war buchstäblich nach gefühlt drei Strophen ein ganz großer Fan von ihm. Seine Musik zeigte sich so ganz anders als ich es zu den damaligen Tagen kannte. Ich meine, die Wiedervereinigung Deutschlands lag gar nicht so lange hinter uns und west-deutsche Melodien begannen sich mit ost-deutschen zu mischen. Künstler wie David Hasselhoff, die Scorpions, Udo Lindenberg, Nina Hagen oder Karat liefen im Radio rauf und runter. Also eine Art von Musik, die sich von Computermusik total unterschied. Schaut man heute zurück, sind einige Songs ganz typisch mit der Zeit der deutschen Wiedervereinigung verbunden, was jedoch oft nur bedingt am Text oder den Melodien an sich lag, sondern vielmehr daran, dass diese Melodien für etwas standen: Für Wandel, für etwas Neues, für das Ende der alten Deutschen Demokratischen Republik und vor allem für Freiheit. West-Deutsche schmunzeln noch immer gern darüber, wie verrückt die Ost-Deutschen beispielsweise selbst heute nach David Hasselhoff sind. Das liegt allerdings meist an einer schlechten Mischung aus Arroganz und schlichter Unwissenheit. Wer nicht selbst erlebt hat, wie es sich anfühlt, wenn das Land, in welchem man lebt, von heute auf morgen umgekrempelt und in die alte Heimat wiedereingegliedert wird, der kann diese Euphorie nicht nachvollziehen. Ich war 10 Jahre alt als die Mauer fiel und selbst ich habe das gespürt. Für den West-Deutschen hat sich fast nichts, für den Ost-Deutschen einfach alles verändert. Tatsächlich bekomme ich heute noch Gänsehaut, wenn ich diese Bilder im Fernsehen oder in meinem inneren Auge erneut sehe: Wie Hans-Dietrich Genscher in dieser Botschaft den Ost-Deutschen bestätigt, dass ihre Ausreise genehmigt wurde. Oder wie Tausende Ost-Deutsche an der Mauer standen und in Tränen ausbrachen – kaum fassend dass dieser verhasste „antifaschistische Schutzwall“ (wie er den DDR-Bürgern verkauft wurde) sich endlich nach all der Zeit öffnete. Wie Familien sich in die Arme schlossen, die sich Jahre oder gar Jahrzehnte nicht mehr sahen. Ich werde das niemals vergessen können. Und tief in dieser Erinnerung sind eben die Melodien von David Hasselhoff und vielen anderen Musikern so stark verwoben, dass diese nicht davon zu trennen sind. Grundsätzlich ist dies auch nur eine Art von Nostalgie.
Die Musik der genannten Künstler war jedenfalls allgegenwärtig und dann sitze ich eines Tages in diesem kleinen Raum in meiner Schule und höre diese genialen Melodien aus einem kleinen Computer. Das klang so ganz anders als alles, was ich vorher je gehört hatte und ich glaube, dass genau dort meine Liebe zu Musik aus Computerspielen begann. Das Intro-Lied von ‚X-Out‘ war derart imposant, dass ich mich am liebsten zurückgelehnt hätte, um es einfach zu genießen. Doch das ging nicht, denn die versammelte Schulkinderschaft war zum Spielen gekommen. Nichtsdestotrotz bat ich regelmäßig erneut darum, das Intro dieses Mal wenigstens ein paar Momente länger laufen zu lassen. Und irgendwann war ich nicht mehr der Einzige, der um diesen Aufschub bat. Da war noch dieser andere Junge, mit dem ich daraufhin ins Gespräch kam. Später stellte sich heraus, dass es bald einer meiner besten Freunde werden sollte – bis in die Gegenwart. Wir teilten die Leidenschaft für ‚X-Out‘ in all seinen Facetten in so einem gleichen Maße, dass uns – selbst in den vielen Jahren – nie der Gesprächsstoff ausgehen sollte. Nostalgie, Spaß an alten Games – wir teilen diese Leidenschaft unverblasst. Ganz ehrlich: Es ist für mich ziemlich besonders, wenn etwas über einen derart langen Zeitraum bestand hat – vor allem wenn es sich dabei um eine Freundschaft handelt. Auf diese Weise sind die Erinnerungen an die coolen Zeiten nicht lediglich im Kopf, sondern greifbarer und lebendiger. Denn durch das Unterhalten haucht man denen immer wieder neues Leben ein – bis diese irgendwann einfach zeitlos sind. Vielleicht ist es eben diese Freundschaft, die meinen Hang zur Nostalgie derart stark prägte. Ich denke, so unwahrscheinlich ist das sicher nicht. Und was diese Nostalgie so mit sich bringt, ist die Eigenschaft des Nicht-Mehr-Vergessens. Da der erste Level von 'X-Out' praktisch regelmäßig lief, kenne ich den Level in- und auswendig. Was waren wir damals stolz, als wir diesen Trick beim ersten Endboss entdeckten, bei dem man das kleine U-Boot oben links positioniert und der Obermacker einen dort nicht treffen konnte. Wir dachten in unserer kindlichen Naivität, wir hätten den Computer überlistet. Oder dieser Trick, bei dem es unendlich Punkte gab und man fortan die besten Schiffe virtuell erstehen konnte. Neue U-Boote (wobei ich peinlicherweise irgendwie erst später begriff, dass der Titel unter Wasser spielt und nicht im Weltraum) kosteten nämlich die Punkte, die man beim Durchballern der Levels einholte. Mit dem Trick hatte man plötzlich so viel davon, man war unaufhaltsam. Das hatte sogar seinen Sinn, denn der Schwierigkeitsgrad ist - typisch für diese Zeit - nicht von schlechten Eltern.

Die musikalische Komponente von ‚X-Out‘ ist und bleibt jedoch das, was ich hauptsächlich mit dem Titel verbinde. Ermöglicht durch den MOS-SID-Chip, der bis in die Gegenwart noch Musiker in aller Welt fasziniert. Dabei sind es allerdings nicht nur die Melodien, sondern einfach die Art, wie der Chip arbeitet. Töne sind nämlich keinerlei PCM-Sounds – wie sie in modernen Soundkarten oder -chips – zum Einsatz kommen. Denn die sind nah an reelle Hörgewohnheiten angelehnt. Der MOS-Chip erzeugt indes Geräusche mit verschiedenen Wellenlängen. Die dabei produzierten Töne klingen vielleicht nicht real, doch dafür umso einzigartiger. So einzigartig, dass es bis heute keinen Ersatz dafür gibt. Bands wie Machinae Supremacy bezeichnen ihre Musik gar als „SID-Metal“, da sie noch immer auf die Techniken des kleinen Kult-Soundchips setzen und den mit modernen Metal-Klängen verbinden. Ich mag die Art und Weise wie MOS die Töne und Melodien erzeugt ebenfalls noch immer. Angetan haben es mir dabei die längeren Wellen und die Art wie Drums erzeugt werden. Das ist einfach bis heute absolut einzigartig. Und wenn man es dann noch als Musiker so richtig drauf hatte – wie Chris Hülsbeck, David Whittaker oder Rob Hubbard – wuchs der kleine Chip gar über sich hinaus. Wer sich dafür interessiert und jetzt keine Ahnung hat, wovon ich hier rede, der sollte mal bei den eingschlägigen Stellen nach SID-Musik suchen und wird mir sicher bei deren Einzigartigkeit recht geben.

Was bei ‚X-Out‘ hierbei so extrem beeindruckte, zeigt sich in der gefühlten Leichtigkeit wie Chris Hülsbeck hier ein geniales Soundthema nach dem anderen beisteuerte. Nicht eine Melodie – obgleich sich diese wiederholen – wird irgendwann mal langweilig und so schön ich es auch finde, dass da draußen engagierte Musiker sind, welche die Melodien in moderne Gewänder stopfen möchten, so sehr liebe ich die originalen Musikstücke in genau der Form, wie sie ursprünglich im Spiel vorhanden sind. Um dem Ganzen dann noch eine Schippe obendrauf zu geben, gab es parallel zu den genialen Melodien Soundeffekte. Heute wenig beeindruckend, aber der MOS-Chip besaß eben nur drei Tonkanäle. Damit Musik UND Ballereffekte gleichzeitig zu erzeugen, darf als beachtlich angesehen werden. Zumal man dann total die Limitierungen des Chips vergaß. Mit Tricks und Schummeleien programmierten sich nämlich findige Köpfe wie eben Herr Hülsbeck gleich mal noch zusätzliche Kanäle hinzu. Wiedereinmal ein sehr schönes Beispiel für diesen Entdecker- und Erfindergeist, den ich so sehr an dieser damaligen Zeit schätze. Leute hatten da nicht einfach ein Hobby, das mit Computern zu tun hatte – nein, es WAR ihr Hobby und ihre Leidenschaft. Und so eine Kombination wird niemals zu bremsen sein.
'X-Out' (Commodore 64/1989) - Mein erstes Aufeinandertreffen mit 'Rainbow Arts' und einem der genialsten Computerspielmusiker überhaupt: Chris Hülsbeck! Was der aus dem MOS-Chip herausholte ... schier unglaublich.

Teacher Busters
Ähnlich wie im Amiga-500-Kapitel und der Mortal-Kombat-Reihe musste ich mich hier erst einmal vergewissern, dass das öffentliche Schreiben über dieses Spiel überhaupt legal ist. Stand es doch einige Jahre auf dem „Index“ und erst im Januar 2012 wieder davon entfernt. Der „Index“ ist umgangssprachlich die Kurzform dafür, dass ein Spiel auf der Liste der Indizierungen steht. Je nach Status dürfen diese dann entweder gar nicht erst öffentlich verkauft oder beworben sowie ausschließlich auf proaktive Nachfrage beim Händler ab dem 18. Lebensjahr erfragt werden. Im allerschlimmsten Fall macht man sich sogar nur durch den Besitz strafbar. Das kommt eben darauf an, auf welcher Liste der Titel zu finden ist. ‚Teacher Busters‘ war ein so genanntes „Killerspiel“ (diesen vom Sinn befreiten Begriff kannten wir damals natürlich noch nicht) aus meiner Kindheit und wurde heimlich im Jugendfreizeittreff gespielt, wenn die Aufsichtspersonen mal nicht hinschauten.

Es war die Thematik, die dem Titel rechtlich den virtuellen Hals brach: Man jagt Lehrkräfte mit einem Panzer – mehr muss nicht gesagt werden. Selbst überfahren war möglich, wurde jedoch bestraft, da die Säuberung der Ketten virtuelle Kosten verursachte. Die Spitze des Eisbergs dieses für Kinder sicherlich bedenklichen Themas ist die Möglichkeit den Namen der unliebsamen Lehrer oder gar des gesamten Kollegiums einzugeben, um damit die Killerintension maximal zu personalisieren. Unsere Aufsichtspersonen im Jugendfreizeittreff mochten zwar noch nie etwas von Indizierungen von Computerspielen gehört haben, aber als uns mal einer beim Spielen erwischte und verstand, worum es ging, wurde es offiziell verboten. Aus heutiger Sicht sehe ich diese Maßnahme ein. Damals galt das für uns allerdings lediglich als (zugegeben makaberer) Spaß, sich mal Luft zu machen und wenig gemochte Lehrer virtuell „eine auf die Mütze“ zu geben. Doch es galt eben als Spaß, niemals mit ernsten Unterton. So etwas wäre uns auch gar nicht in den Sinn gekommen. Und ja, ich hatte damals ebenfalls meine ganz private Fehde mit einer Lehrerin, wobei die Antipathie sich gleichermaßen auf sie und mich verteilte. Kurzum: Sie mochte mich nicht, ich mochte sie nicht. Sie behandelte mich gern mal ein wenig unfair, weshalb ich mich recht oft mit ihr in den Haaren hatte. Gern gestaltete sich ihr Vorgehen jedoch so offensichtlich, dass sogar andere Mitschüler Partei für mich ergriffen. Ich ließ mir diesen Umgang mit ihr jedenfalls nicht eine Sekunde gefallen und endete regelmäßig vor'm Direktor. Wenn ich etwas falsch mache und dafür gerügt werde, sehe ich das ein, unfaire Sticheleien jedoch nicht. Der langen Rede, kurzer Sinn: Ja, ich verewigte ihren Namen ebenfalls in ‚Teacher Busters‘. Ich geb‘s zu. Mein Gott, ich war eben ein Teenager, der sich auf diese Art und Weise in Sachen Lehrer-Frust mal Luft machte. Es sollte jedoch die einzige Lehrkraft in meinem Leben sein, mit der ich derart auf Kriegsfuß stand. Eigentlich kam ich immer gut mit anderen Menschen zurecht. Tatsächlich kann ich bis heute nicht sagen, was diese Lehrerin eigentlich an mir nicht mochte. Vielleicht ist es eine dieser diffusen, unerklärlichen Antipathien. Man kann eben nicht jeden Menschen mögen, sollte sich jedoch schon Mühe geben, auch mit denen zumindest ein respektvolles und (im beruflichen Kontext) professionelles Verhältnis zu wahren. Aber als Teenager ist man eben in einer speziellen Wegfindungsphase des Lebens und erst einmal partout gegen alles, was gegen einen selbst ist. Ich denke, es wird wohl keinen Menschen da draußen geben, der in seiner Jugendzeit nicht zumindest einmal etwas getan hat, was ihm beim Blick zurück immer noch peinlich oder unangenehm ist. Sei es nun das Verhalten, die Frisur, die Kleidung und sonst etwas. Dennoch wäre es meinen Freunden und Bekannten niemals in den Sinn gekommen, sich in der Realität mit Gewalt an den Lehrern zu rächen. Es war nur ein Spiel und das wusste jeder. Lehrer im echten Leben waren für uns immer noch Respektspersonen.

Das Jagen von Lehrern in einem Computerspiel würde dieser Tage darüber hinaus sicherlich vollkommen anders bewertet werden. In Zeiten von Amok-Läufen junger Erwachsener, die mit Waffen in die Schule mit der unbeirrbaren Absicht gehen, sich an Mitschülern oder Lehrkräften zu rächen und diese kaltblütig niederzuschießen, offenbarte in den letzten Jahren ein völlig neues Level. Jedoch bin ich der Meinung, dass sich die Medien ein um's andere Mal einfach falsch verhalten. Diese Vorfälle wieder und wieder in den Nachrichten herunter zu beten und aus Sensationsgier den Tätern jedes Mal eine Bühne zu geben, ist falsch. Obendrein werden hanebüchene Dinge als Ursache zementiert – wie PC-Spiele oder -Filme – was jedes Mal zum Kopfschütteln animiert. Was man bei diesem "Journalismus" ausblendet: Dem Täter wohnten tief verankerte psychologische Probleme inne, die oft selbst die Eltern nicht kommen sahen. Denn wer würde schon von seinem eigenen Kind annehmen, dass es zum Mörder werden und sich anschließend selbst das Leben nehmen würde? Depressive Teenager sind doch so ziemlich das Normalste, was es gibt. Was die Medien da tun, finde ich jedenfalls nicht richtig. Natürlich bin ich mir bewusst, dass das ein unbeschreiblich komplexes Thema ist. Doch mit dem sinnlosen Bashing auf die Lieblings-PC-Spiele oder -Filme des Täters sowie dessen Eltern ist jedenfalls niemandem geholfen.
'Teacher Busters' (Commodore 64/1982) - Eine makabere Spielidee, die zu Beginn der 1990 in Deuschland jedes Schulkind kannte.

Bruce Lee
Das Spiel für die gleichnamige Martial-Arts-Ikone faszinierte mich damals nicht unmaßgeblich. Zudem ist es für mich das eine Spiel gewesen, dass bei meinem Onkel nur als Kassette bzw. Tape vorlag. Das kann man sich heute eigentlich gar nicht mehr vorstellen. Die Kassette als Medium für Musik mag zwar noch Erinnerungen wecken, doch als Datenträger für Computer sieht es da schon anders aus. Irgendwie zeigt mir dies aber auch die Jahre, die nun schon hinter mir liegen, die Dinger in Aktion erlebt zu haben. Das Vorgehen hatte irgendwas vom Ankurbeln eines Autos in den Anfängen der Industrialisierung. Erst den Commodore mittels eines Kommandos auf die Datenaufnahme vorbereiten und dann nach den signifikanten Wörtern „Press Play on Tape“ die Wiedergabetaste auf dem Abspielgerät drücken. Unnötig zu erwähnen, dass man bei der ein oder anderen Software gar erst an eine bestimmte Stelle vorspulen musste. Anschließend durfte man live miterleben, wie sich Daten für einen Rechner anhören – nervtötende Fieptöne wechselten sich mit undefinierten Geräuschen ab, bis irgendwann plötzlich der Start-Bildschirm zu sehen war. ‚Bruce Lee‘ mag nur magere 50 KByte groß gewesen sein, es mussten nichtsdestotrotz etwas über drei Minuten wirre Töne aus dem Rekorder erschallen, bis man endlich spielen konnte. Ging irgendwas beim Laden schief, spulte man die Kassette zurück, startete den C64 neu und versuchte es nochmal. Das war noch die Zeit der richtigen Nerds. Dem Massenmarkt konnte man so eine Vorgehensweise selbstredend kaum schönreden.

War das Spiel dann aber geladen, konnte ich mich kaum noch davon losreißen. Und siehe da: Selbst jetzt ist da noch ein kleiner Funke am Leben. Denn als ich‘s für diesen Artikel anspielte, quollen da so manche Erinnerungen aus den Poren. Obendrein macht das simple und sich stetig im Schwierigkeitsgrad steigernde Spiel durchaus auch noch heute Spaß. Es gilt Diamanten einzusammeln, Fallen zu überwinden und sich dabei nicht von den unbesiegbaren Wachen erwischen zu lassen. Gegen die kann man sich zwar verteidigen, doch irgendwann sind‘s dann so viele, dass man lieber die Füße in die Hand nehmen sollte.

Der Spielspaß ist jedenfalls eine der schöneren Erinnerungen an meine ersten Streifzüge mit Bruce Lee. Mein Onkel hatte den C64 seiner Kinder auf einem Schreibtisch im Flur des mehrstöckigen Einfamilienhauses aufgebaut, damit alle etwas davon hatten. Und obwohl meine nostalgischen Erinnerungen sich nur allzu gern auf die positiven Momente der damaligen Zeit stützen, verbinde ich mit ‚Bruce Lee‘ jedoch ebenfalls etwas Negatives, welches sogar beim drüber Nachdenken noch so ein komisches Gefühl in der Magengegend auslöst. Als ich einen Bekannten an einem Samstagnachmittag bei seiner Großmutter besuchte, weil der sich vorrübergehend dort einquartiert hatte, staunte ich nicht schlecht, denn er besaß doch tatsächlich einen C64. Ich war total platt und musste ihn einfach darum bitten, das Gerät einzuschalten. Und auch hier lief ‚Bruce Lee‘ dann die Zeit meines Besuches rauf und runter. Mit meinen vielleicht 11 oder 12 Jahren war ich derart aufgedreht, dass ich daheim vor meinem kleinen, knapp sechs Jahre jüngeren, Bruder Heiko endlos schwärmte und aus dem Philosophieren gar nicht mehr heraus kam. Im Anschluss plagte mich dann jedoch ein ziemlich schlechtes Gewissen. Immerhin konnte er es ja nicht spielen. Und genau das wollte ich daraufhin ändern. Ich wollte, dass Heiko diesen Spielspaß nicht nur vom Hörensagen erlebt, sondern richtig und für sich selbst. Also schnappte ich ihn mir einen Tag später und wir marschierten schnurrstracks zur Wohnung der Großmutter meines Bekannten. Auf dem Weg versuchte ich meinem kleinen Bruder noch ein paar Tipps für das Spiel zu geben, damit er gleich vollends loslegen könnte. Ich freute mich so sehr, ihm endlich dieses Stück Software zu präsentieren, dass wir den ganzen Weg lang kein anderes Thema als dieses Spiel fanden. Er war von meiner Euphorie richtig angesteckt und konnte es nun selbst kaum noch erwarten zu sehen, ob meine Worte der Wahrheit entsprachen. Und dann kamen wir endlich an. Ich klingelte an der Tür und mein gut vier Jahre älterer Bekannter öffnete. Er schaute uns mit einem musternden Blick an. „Ja?!“, meinte er etwas flapsig. Ich entgegnete ihm übereifrig, dass ich ‚Bruce Lee‘ einfach so toll fand, dass ich es unbedingt meinem kleinen Bruder auch mal zeigen wollen würde. Ich fragte um Erlaubnis, ob es möglich wäre, es ihm wenigstens für ein paar Minuten zu präsentieren. Mein kleiner Bruder grinste erwartungsvoll, doch mein Bekannter meinte unerwartet angenervt, dass wir eigentlich ziemlich ungelegen kämen. Er habe gar nicht vor, den C64 heute zu nutzen. Wir sollten doch bitte gehen. Und das entfleuchte ihm mit so einer lockeren Gleichgültigkeit, dass ich ihm – egal ob ich kleiner und jünger war als er – direkt eine auf die Nase geben wollte. Jedenfalls schloss er ohne ein weiteres Wort zu verlieren die Tür.

Da stand ich nun und schaute in die enttäuschten Augen meines kleinen Bruders. Das Lächeln aus seinem Gesicht war verschwunden und wich einem fragenden, gleichermaßen enttäuschten Blick. Da hatte ich ihn so gehypt und nun? Ehrlich: Mir tat das derart leid, auf dem Heimweg habe ich kaum ein Wort herausgebracht. Die Gefühlsregungen stinksauer auf meinen Bekannten, wechselten sich mit einer Wut auf mich selbst und einem undefiniertem Unbehagen ab. Und wenn ich nun wieder darüber nachdenke: Es mag schon so viele Jahre her sein, aber ich habe die Szene seit dem so oft erneut vor meinem inneren Auge erlebt. Immer in dem Wunsch, dass ich irgend etwas an diesem damaligen Tag hätte ändern können.
'Bruce Lee' (Commodore 64/1984) - Meine Güte, wie habe ich dieses Spiel geliebt. Schnell zu erlernen, im späteren Verlauf immer schwerer zu meistern. Damals auf Datasette erschienen, mit dem das Einladen des gerade einmal rund 50 Kilobyte kleinen Spieles über drei Minuten in Anspruch nahm.

Fortsetzung in der nächsten Kolumne …

Falko Tetzner _ 13.06.2018

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