
Off Topic 03: Star Wars - Episode VII

SPOILER-Warnung: Ich weise mit Nachdruck daraufhin, dass ich hier elementare Dinge des Filmes verraten werde (SPOILER) und von daher ausschließlich Leute den Beitrag durchlesen sollten, die den Film bereits kennen!! Das ist die erste, letzte und absolut EINDRINGLICHE WARNUNG!
Nachdem ich noch immer halb übermüdet hier am PC sitze und der Film so nach und nach seine Wirkung erzielt, saß ich, als der Abspann lief, wie gelähmt auf meinem Kinositz: Einerseits war ich voller Freude auf die kommenden Episoden, anderseits war da aber auch ein Teil von erst einmal nicht definierbaren Emotionen zu verspüren. Aber ich möchte nicht zu weit vorweggreifen und so beginne ich mit den positiven Aspekten:
Positive Aspekte
Kurzum die gesamte Wahl der Schauspieler ist absolut geglückt. Die alte Garde wird nach und nach äußerst charmant eingeführt und geben beim Schauen dieses wohlige Gefühl der Nostalgie. Die neuen Gesichter wie Finn, Poe und natürlich Rey sind super besetzt. Obgleich der Star-Pilot Poe etwas wenig Screentime bekam, haben alle drei gleichermaßen auf mich einen sehr gekonnten Eindruck gemacht und übernehmen das Zepter von Han, Leia und Luke äußerst geglückt! Allen voran Rey ist als bislang noch total unbekanntes Gesicht ein absoluter Glückstreffer. Ihre schauspielerische Leistung spielt beinahe sogar die der Oldies an die Wand. Den Ex-Trooper Finn halte ich ebenfalls für toll gewählt und war erst baff, als Kylo Ren den gegen Ende niedersäbelte. Sein Tod wäre wirklich schade gewesen und ich war dann schon froh, dass deutlich gezeigt wurde, dass er wohl wieder genesen und in der/den kommender/-n Episode(n) eine Rolle spielen wird.
Überrascht und zwar auch in positiver Hinsicht war ich von der Härte, wie die Neo-Imperialen – genannt die „Erste Ordnung“ – eingeführt wurden. Man sieht sofort, dass die Macher hier keinesfalls Parallelen zu den weiß gekleideten Brüdern aus der originalen Trilogie schaffen wollten: Direkt die ersten Szenen zeigen überdeutlich, dass mit den Sturmtruppen in Episode VII keinesfalls zu spaßen ist. Obgleich George Lucas in Episode I-III den Aufstieg der Nazis dezent mit dem Erstarken des Imperiums nacherzählte, so wirken die Mannen der „Neuen Ordnung“ wahrlich noch viel deutlicher an Hitlers Spinnertruppe angelehnt: Die neuen Sturmtruppen gehen äußerst brutal und erbarmlos zur Sache und können vor allem auch endlich mal Ziele treffen. Ich kann mich nämlich noch gut an Obi-Wans Ausspruch in Episode IV erinnern, wo er meinte, dass nur imperiale Sturmtruppen zu derart präzisen Treffern fähig seien. Sah man die dann aber in Aktion, schienen die jedoch nicht einmal eine Mauer zu treffen, auch wenn die direkt vor ihrer Nase war. Episode VII macht nun jedenfalls Schluss mit diesem Quatsch und somit nimmt der Zuschauer die Armee der „Neuen Ordnung“ von Minute eins ab vollkommen ernst.


Diskussionswerte Aspekte
Allen voran, und das muss ich ehrlich zugeben, hat mich im ersten Moment Han Solos Tod tatsächlich vollkommen kalt gelassen. Ich war selbst verwundert, dass mich der Mord einer meiner ganz großen Leinwandhelden kaum berührte … doch weit gefehlt: Erst jetzt merke ich, es war keine Gleichgültigkeit, es war ein Schockzustand. Je mehr mir die Bilder immer wieder innerlich vor Augen geführt werden, wie Kylo Ren alias Ben Solo seinen eigenen Vater mit dem flammenden Laserschwert durchstößt und Han seinem Sohn schmerzverzehrt in die Augen sieht, ihn ein letztes Mal väterlich berührt und dann leblos in die Tiefe stürzt, bin ich ellenweit weit weg von einem Gefühl der Gleichgültigkeit. Es ist einfach Trauer und im Nachhinein tut mir Han Solos Schicksal richtig weh, je mehr ich darüber nachdenke, dass sein eigener Sohn ihm das antat. Filmisch gesehen ist es allerdings das wohl beste Ende, das man dem alten Haudegen hätte bieten können. Denn nach all den Kämpfen tötet ihn nicht ein Blasterschuss eines Sturmtrupplers, sondern der Mensch, den er am meisten liebt und für den er letztlich erstmalig wirklich verwundbar wird… Das gibt mir schon ziemlich viel Stoff zum Nachdenken. Jetzt habe ich das erst richtig verstanden und sacken lassen und ich muss sagen, dass Han Solos Tod definitiv für mich in die Filmgeschichte eingehen wird. Allerdings wird diese Szene im Film dann gefühlt etwas zu kurz abgefrühstückt. Die obligatorischen „Neeeeeiiinnn“-Schreie und Chewies lautes Gebrüll sind natürlich vorhanden und passend inszeniert, aber im Nachhinein wird sich filmisch wieder zu schnell auf den Kampf konzentriert und Han bekommt außerdem am Ende noch nicht einmal eine Beerdigungs-Szene, die seiner würdigt. Selbst Qui-Gon Jinn bekam diese in Episode I und der Gute war lediglich nur für diese eine Episode Teil der Saga. Han hätte hier deutlich mehr Würdigung verdient! „Dass es ihn nicht mehr geben soll“ …. Selten traf ein Satz mehr den Nerv … Am Tod von Han werde ich noch lange zu knabbern haben, obwohl ich gestehen muss, dass es für mich klar gewesen war, dass ein Hauptprotagonist sterben musste. Irgendwie erschien das für mich absolut sinnig und mein Bruder Heiko und ich diskutierten hier schon lange darüber – eigentlich seit dem ersten Teaser. Hätte ich Geld setzen müssen, wäre meine Wahl aber tatsächlich auf Chewbacca gefallen. Han, die Ikone der Saga zu töten, hätte ich J.J. Abrams ehrlich nicht zugetraut – eine ganz schön mutige Entscheidung.
Aber dafür war der Rest des Filmes alles andere als mutig. Man merkt an so vielen Stellen, dass ‚Disney‘ absolut auf Nummer sicher gehen wollte und Neuerungen nur äußerst dezent einbaute. Grundlegend bediente man sich nämlich reichlich an der originalen Trilogie: (1) Dutzende (gut gemachte) Anspielungen auf deren Geschehnisse; (2) ein neuer „Todesstern“ (hier Starkiller); (3) der Angriff auf den Starkiller-Planeten mit erneutem Flug durch einen Graben; (4) der Umstand, dass die Imperialen (hier „Erste Ordnung“) erneut eine offensichtliche Schwachstelle in ihren Planetenvernichter einbauen mussten; (5) Die Zerstörung von Planeten (auch wenn der originale Todesstern nur einen Planeten pro Schuss schaffte); (6) Der gesamte Anfang des Filmes mit Rey, der Episode IV nicht unmaßgeblich ähnelt bzw. überhaupt aus dieser eine ganze Menge entnommen wurde, usw….. Selbst bei den Figuren traute man sich echt wenig. Luke Skywalkers Rolle aus der originalen Trilogie wurde beispielsweise einfach geteilt und auf Finn und den Star-Pilot Poe übertragen, wobei Letzterer auch eine Prise des Draufgängers Han Solo innehat. Außerdem ist Kylo Ren, als Bösewicht-Nachfolger, nur unweit von Darth Vader entfernt und natürlich auch wieder ein gefallener Skywalker. Die Liste könnte man jedenfalls noch eine ganze Reihe lang fortsetzen und man fühlt einfach an vielen Stellen so, dass man das alles schon einmal gesehen hätte. Dennoch schafft es J.J. Abrams das in eine sehr angenehme neue Form zu pressen, so dass man zwar mehr vom Gleichen bekommt, sich aber dennoch schon fühlt, als würde man eben eine Fortsetzung schauen.
Ein weiterer diskussionswerter Punkt sind die Rollen von General Hux und Captain Phasma. Während Ersterer irgendwie zu jung für seine Rolle scheint und hier und da doch ein bisschen zu dick aufträgt, ist Phasmas Auftritt gleichmal den vorher gesehenen Trailern kaum würdig. Ich dachte, sie wäre mehr eine Art neuer Bobba Fett, stattdessen aber bekommt sich schlicht zu wenig Screen-Time, als dass sie – abgesehen von ihrer reflektierenden Stormtrooper-Rüstung – irgendwie im Gedächtnis haften bleiben wird.

Mein Fazit: Ich will mehr über Rey wissen!
Wer ist Rey eigentlich? Diese Frage stellte sich mir im Laufe des Filmes immer fordernder, vor allem dann, als ihre Gabe zur Macht nicht nur entblößt wurde, sondern es sich auch zeigte, dass sie anscheinend gewaltige Kräfte in sich zu bergen scheint. Hat sie vielleicht doch etwas mit Lukes zerschlagenem Jedi-Orden zu tun, den Kylo Ren einst vernichtete? Oder etwa sogar irgend eine Verwandtschaft mit einem der originalen Garde? Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergehen wird – so viel ist sicher. ‚Star Wars – Das Erwachen der Macht‘ ist ein sehr würdiger Nachfolger, der gekonnt Fragen offen lässt, um jetzt schon als Appetitmacher auf die kommenden Episoden der Saga bestens zu fungieren. Er hat praktisch keine wirklichen Längen und lediglich das Aufeinandertreffen von Han und seinen Gläubigern, sowie der anschließenden Flucht vor den Tentakelviechern, hätte ich weggelassen. Außerdem ist unklar, warum die Republik am Kampf gegen die durchaus ernstzunehmende Bedrohung der „Neuen Ordnung“ total unbeteiligt war.
Mein Fazit: Ich finde es einfach richtig genial, dass es ENDLICH mit der Saga weitergeht und ich bin glücklich, dass J.J. Abrams – um ganz direkt zu sprechen – es nicht versaut hat! Ich werde mir den Teil jedenfalls noch mindestens einmal im Kino ansehen und die BlueRay wird später echt wahrlich heiß laufen! ‚Star Wars – Episode VII‘ … die Macht ist stark in diesem da …
Falko Tetzner _ 17.12.2015

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